Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1677414
Stereota 
(Steinkoustruktion). 
nnie 
Technisch 
J-Iistorisches. 
405 
Klarheit in der Sonderung der Typen, über das wahre Verhält- 
niss und stofflich bedungene Gesetz der Steintektonik. 
Eine vierte Periode ist endlich die des Schematismus, der Ver- 
armung der Kunstform durch die technische Routine, ihrer Kor- 
ruption in Folge des Bedürfnisses nach Neuem, in einer Richtung, 
in der das Beste schon erreicht war. 
Dies tritt nicht blos den archäologischen Satzungen entgegen, 
es ist auch das Umgekehrte dessen was spekulative Kunstphilo- 
sophie von einem idealen dorischen Schema träumt, das sich nicht 
geschichtlich herangebildet habe, sondern dessen Verständniss viel- 
mehr umgekehrt seit seiner mystischen YVundergeburt fortwährend 
unklarer geworden sei. Auch hierin trete der Gegensatz zwischen 
Dorischem und Ionisehem hervor, welches letztere erst durch 
Weiterbildung und im Spätsommer des Hellenenthums zum 
Bewusstsein seiner wahren nwesenheitß gelangt sei etc. etc. 1 
Eine Hypothese die weder in der Monumentenkunde, nach 
ihrem jetzigen Standpunkte, Bestätigung findet, noch mit der ge- 
sunden Vernunft übereinstimmt, wonach die Verklärung und künst- 
lerische Verwerthung dieses Gegensatzes beiderseitig in die Hoch- 
mitte hellenischer Grösse fallen müssen. 
Damit soll aber keineswegs eine gewisse sehr früh auftretende 
politisch-religiöse und sociale Bewegung geleugnet sein, die als 
Dorismus formale Gestalt annahm und dafür auch wie jedes neue 
politisch-sociale regime seinen monumentalen Ausdruck suchte 
und fand. Diesen seinen Monumentalstil schuf das neue zum 
Selbstbewusstsein gelangte Staatsprinzip aber eben nicht aus sich 
heraus, es legte ihn vielmehr für sich aus Vorhandenem zurecht, und 
den so gewonnenen barbarisch-tendenziösen Standpunkt 
hatte der Dorismus zu seiner höheren künstlerischen Vollendung 
erst wieder zu überwinden. Auf dieser Bahn rückt er nicht 
schrittweise sondern sprungweise fort, indem er ein Extrem um 
das andere ergreift, ehe er den wahren Ausdruck Endet. Ferner 
war dem Dorismus um seiner selbstbewussten formalen Existenz 
willen sofort der Gegensatz des Ionismus nothwendig, der zwar 
auch in Seinen Elementen schon lange vorher bestand, der aber 
als solcher erst durch den Dorismus Existenz gewann, sich nur 
gleich ihm und gleichzeitig mit ihm zum vollendeten antiphonischen 
Ausdrucke dieses Gegensatzes verklüren konnte. Der attische Stil 
1 Biittichcrls Tektonik passim.
        

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