Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1677400
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Zehntes 
Eiauptstück. 
heit dazu. aufforderte, in Aegypten, Kleinasien, Arabien, Indien, 
auch in vielen Gegenden Italiens. Von diesen Felsendenkmälern 
sind manche ohne Zweifel älter als alle geb autcn Steingeziinmer, 
selbst in Aegypten. Die gestellte Frage und die Beantwortung, welche 
sie hier findet, ist keineswegs müssig; denn ist letztere begründet, 
so erscheint auch unsere oben ausgesprochene Behauptung dadurch 
gerechtfertigt. Die getreuere Nachbildung der Verhältnisse des 
Holzgebälks war in dem gewachsenen Felsen leicht ausführbar, 
die ersten Versuche, sie durch Konstruktion herzustellen, mussten 
diesen Verhältnissen nachkommen, denn die alte Tradition haftet 
lange an den Werken des Uebergangs, bis ein Umschlag erfolgt, 
der Uebertritt zum Extrem des Schweren und Gedrungencn, eine 
Reaktion der Wachsenden Erfahrung, ein Massverfehlen nach ent- 
gegengesetztcr Richtung. Dies ist aber erst die zweite Phasis der 
Steintektonik im Allgemeinen und der hellenischen im Besonderen. 
Erst mit dem Eintritt in eine dritte Periode verbreitet sich 
erster Reihe aufgeführt werden. Dann wäre ein Grotteneingang mit dori- 
sehen Säulen zwischen Anten und dorischem Gebälk, aber mit Hohlkehlen- 
bekrönung, das sog. Jacobus-Grab bei Jerusalem, zu nennen, liesse sich nach 
den stilldsen Zeichnungen, die darüber vorliegen oder sonst nach historischen 
Daten sein rnuthmassliches hohes Alter konstatiren. Das Gleiche gilt von an- 
deren Felsenfaeaden des Kidronthales. 
Dann ein Grab in Phrygien mitten unter den merkwürdigen teppiehdeko- 
rirten Felsmonumenten der alten Midasdynastie. Vier gespreizte 61h Durch- 
messer hohe nicht geriefte Säulen, zwischen Auten so geordnet, dass der mitt- 
lere Zwischenraum der Säulenhühe gleiuhkommt, die beiden Seitenzwisehen- 
räume schmäler sind, ganz wie an dem Portale des toskanisehen Tempels. 
Die Kapitäle steil mit drei rechtkantigen Ringen, die Basis der Anten mit 
der alterthiimliehen Hohlkehle als Abfall unter der Spira, wie am Portale 
des Atridengrahes. Das Kapitäl der Ante mit dorischer Welle unter krönen- 
der Hohlkehle und Platte. Triglyphengebälk mit eigenthümlieh proülirtem Kranz- 
äesimms, dem des hochalterthiimliehen Tempels zu Kardaechio fast ganz gleich. 
Andere dorische Gräber mit ionisehen untermischt in Lykien. Gräber 
bei Kyrene. Hetrurische Grabfacaden, Elemente, die der Dorismus sich an- 
eignete (friglyphen, Echinuskapitäl) verbunden mit dem ionisrhen Zahnschnitt, 
der asiatisch-ägyptischen Hohlkehle, der Volute etc. nebst hoher Giebelbekrönung. 
Die ionische Weise überraschen wir noch in ihrer ursprünglicheren Auffassung 
auf Gräbern Lykiens, kurze weitgestellte starkveijüngte Säulen, schwere Basen 
und Kapitäle, noch schwankender Ausdruck des späteren ionischen 'l'ypuß in 
beiden, zwei? oder dreizoniger Arehitrav ohne IFries, Gesimms mit kräftigen 
Dielenköpfen. Felsgräber zu Kyane und Myra, mit alterthümlieheiu noch 
asiatisirenden Skulpturen, ohne Insehriften.
        

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