Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1677384
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Zehntes 
Hauptstück. 
gezimmers. Ich glaube in der Keramik und in der Tektonik schon 
genügend gezeigt zu haben, dass die Einzelnsäule, das ist die 
einen geweiheten Gegenstand tragende Stele, Vorbild der ge- 
reiheten Steinsaule War, welcher Satz für sich allein einen ganzen 
Wust falscher Theorien und ästhetischer Bedenken beseitigt. 
Bei diesem Mangel an autentischen Werken der frühesten gräko- 
italischen Steintektonik ist der toskanische Kanon des Tempel- 
baus, den uns Vitruv gibt, von wichtigem Interesse. (S. Farben- 
druck Tab. XIII.) 
Er entspricht gewiss ältester gräkoitalischer Bautradition und 
ist noch gemischt, nur die Stützen seines Gezimmers sind muth- 
niasslich Stein, die gestützten Theile bckleidetes und mit Mauer 
ausgesetztes Holzwerk. Die Säulen sind Weit gespreizt, von 
mittlerer Höhe (7 Durchmesser) und stark verjüngt, die Details 
(der Basis und des Kapitals) denen der späteren römisch-dorischen 
Säule ganz oder nahe zu gleich. Das Gebälk hat die halbe Höhe 
der Säule, darauf ein hohes Fastigium. Als Uebergangsschema 
gibt er einen Ausgangspunkt für die Geschichte des dorischen Stils. 
Kaum minder wichtig für die Kenntniss der Frühperiode des 
gräko-italischen Säulenbaus sind die ältesten Vasengemälde, wor- 
auf Gebäude vorkommen. Wenn man die daneben befindlichen 
figürlichen Darstellungen mit den Skulpturen der ältesten Stein- 
tempcl zusammenhält, möchte man unter ihnen manche für älter 
halten als letztere. Die dargestellten Baulichkeiten 1 zeigen ein 
untermischtes Zusammentreten griechischer Formenelemente, die 
auch spätere Geltung behielten, mit anderen, die nachher 
ausgeschieden wurden, deren Sonderung also zu der Zeit der 
Ausführung dieser Zeichnungen noch durch keine bestimmte 
Norm geregelt war, z. B. ionisches Gestütz mit dorischem Tri- 
glyphengebalk und umgekehrt, die ägyptische Hohlkehlenbekrö- 
nung statt der Hängeplatte u. a. m. Dabei schwankende Formen 
und Verhältnisse der hervorragendsten Bauglieder, des dorischen 
Echinus, des ionischen Volutenkapitäls, der Säulenfüsse, des dori- 
schen überfallenden Blattes u. s. w. Ausserdem ist der weite Ab- 
stand zwischen den ziemlich hochstämmigen oben zum Theil stark 
1 Diese Darstellungen mögen noch so unbeholfen und im Einzelnen in- 
korrekt sein, so halten doch grade die ältesten darunter die allgemeinen Typen 
des Vorgestellten fest, zeichnen sie sich aus in der treuen Sorgfalt der Be- 
lumcllnxxg des Beiwerks, das der vollendete Stil bekanntlich zurücktreten lässt,
        

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