Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1677368
400 
Zehntes 
Hauptstück. 
den Metallstil wiedergibt, in dem Kandelaberartigen und Möbelhaft- 
Ünmonumentalen ihrer allerdings steinernen Säulen. 
Die persische Lösung der Aufgabe war eine Lösung im ächt- 
zoroastrischen Zwecklichkeitsgeiste. Ein Rückschritt gegen die 
aller Wahrscheinlichkeit nach weit idealere assyrische Auf- 
fassung des monumentalen Gezimmers (wenn es schon den Schritt 
zum Steinstil noch nicht gethan hatte), die der gräko-italischen 
Formentradition sehr nahe gleich kam, gleichviel ob in Folge 
urverwandtschaftlicher Beziehungen zwischen den Völkern, ob 
durch spätere Uebertragungen. Gewiss bleibt, dass die mehr oder 
weniger entwickelte ionische Ordnung, sowie die korinthische, 
schon auf assyrischen Reliefs vorkommen. Man möchte sogar einen 
giebelgekrönten Tempel mit schweren fusslosen Säulen, der auch 
vorkommt, für dorisch-assyrisch halten, bliebe es nicht zweifelhaft, ob 
dies e r nicht ein fremd e s Heiligthum darstellt. Dagegen keine Spur 
von einem Gabelknauf, der, als durchaus realistiseh-unmonumental, 
dem Zeltstocke als Möbel, aber nicht der Steinsaule gehört. 
Monumentalität erreicht die tektonische Struktur erst durch Eman- 
eipation von der struktiwr-stotflichen Realistik, durch sinnbildliehe 
Vergeistigung des Ausdrucks ihrer Bestimmung. Es war, wie 
gesagt, ganz persisch, die assyrisch  babylonische Säule in 
Stein umzubilden und zugleich den höheren monumentalen Aus- 
druck, den jene schon gewonnen hatte, Wieder fallen zu lassen, 
als dem Rationalismus des neuen politischen und religiösen Re- 
gime nicht kongenial. Zeigt sich nicht an den persischen Skulp- 
turen derselbe Geist? Bedeutender bildnerisch-technischer Fort- 
schritt und gänzliche Verarmung an Motiven, kein Ringen mehr, 
sondern zufriedene Selbstbeschränkung. 
Also nach dieser Richtung hin war die Steintektonik in 
einen Sa ck gerathen, ihr blühte bei den Anhängern der Zoroaster- 
lehre keine Zukunft, so wenig wie den Künsten überhaupt. 
Für Aegyptens in anderer Weise dienstbar gemachte Kunst ver- 
weisen wir auf 73 des I. Bandes; hier freilich wurde die Zimmerei 
worauf erst der eigentliche FIISS, die Basis, der Säule ruht. Ist die reiche innere 
Ordnung eine Reminiseenz der getriebenen Metallsäule, so gleicht der 
schlanke Uugegliederte Schaft der äusseren Ordnung einer gegossenen, 
die wahrscheinlich vorher aus Gründen grösserer Dauer zuerst im Aeusseren 
an Stelle der hölzernen mit Blech besuhlagenen Stütze getreten war. War 
doch auch am Judentempel alles innere Geräth getriebene Arbeit, aber das 
Säulenpaar der Vorhalle gegossen.
        

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