Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1677289
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Zehntes 
Hauptstück. 
rändertes Quaderwerk mochte sich Wohl auch anderweit als nur 
am Unterbau der Monumente sehr früh bethätigen, nur dass wir 
davon nicht eben Genaues wissen. Die Tyrer galten, wie schon 
früher bemerkt wurde, für die Erfinder des bunten polylitlnen 
Quaderwerks (S. I. Band, S. 405). 
Aegypten. 
Das ägyptische Steingemäuer der Tempel, Pyramiden u. dergl. 
ist ein dritter Uebergang zur vollständig regelmässigen Quader- 
struktur, den wir an noch bestehenden Monumenten der Baukunst 
nachweisen können. Die ägyptischen Steinstrukturen sind zum 
grössten Theile vollständig massiv, d. h. durch und durch aus 
Quadern zusammengefügt, ohne Füllgemäuer und ohne Steinbe- 
kleidung; aber, obschon sehr genau nach der Setzwage und dem 
Richtscheit gefügt, sind die Steine dennoch nicht in regelmässige 
Schichten gelegt, sondern je nach den vorgefundenen Massen ver- 
setzt. Diess erklärt und rechtfertigt sich bei dem sonst so sorg- 
fältigen und pedantischen Wesen der bauenden Priesterkaste nur 
dadurch, dass auch in Aegypten die Mauer niemals ohne Beklei- 
dung blieb. Oft ist diese eine Wirkliche Steinbekleidung, wie an 
den Pyramiden und gewissen alten 'l'e1npelübcrresten, zumeist 
aber der nie fehlende Stuck- und Farbenüberzug, der die Fugen 
versteckte. 
Also auch hier ist die Steinkonstruktion noch keineswegs als 
Kunstmoment unmittelbar thätig, so wenig wie in Assyrien und 
Persien, obschon sie höchst bedeutende Fortschritte gemacht hat. 
Doch beeinflusst sie schon mittelbar das formale Erscheinen des 
ägyptischen Baugedankens. Die Mauer, obschon massiv und durch 
ihre Böschung an die ursprüngliche Nilschlammstruktur (die noch 
jetzt volksthümliche) in wahrscheinlich mehr gesucht archaistischer 
Weise als traditionell anknüpfend, führt zu schlankeren und leich- 
teren Massengebilden als der Erdbßll- Hierauf beruht grössten- 
theils einer der wichtigsten Charakterunterschiede der assyrischen 
und ägyptischen Baustile, welch letzterer vornehmlich lapidarisch 
und heiter erscheint, Während jener mit seinen Erdwällen eine 
düstere, man möchte sagen unterweltliche Stimmung verrälth. Ä 
Die Erdmauer erheigcht wegen ihrer nicht sehr widerständlichen 
und lockeren Masse schwerere Verhältnisse als diejenigen sind, welche 
1 Ein Gegensatz, der bei beiden Nationen durchgeht und überall hervortritt.
        

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