Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1677261
390 
Zehntes 
Hauptstück. 
solche bei dem Ausdrucke der räumlichen Idee nicht in Betracht 
kamen oder vielmehr grundsätzlich ausgeschlossen blieben. 
Das neue Bauprinzip, was durch diesen Schritt ins Leben trat, 
stellte sich der Tradition und den alten Typen, welche die monu- 
mentale Baukunst mit den übrigen Künsten gemein hatte, in ge- 
wissem Sinne entgegen, obschon letztere von so mächtiger 
innerer Wahrheit sind und in dem allgemeinen Baubewusstsein 
der Menschheit so tief wurzeln, dass ihre Geltung niemals ganz 
aufhören konnte. Indem sie mit dem neuen Prinzip neue Ver- 
bindungen eingingen, konnte sich wohl ihr Zusammenhang lockern 
und ihr ursprünglicher Sinn verdunkeln, aber dafür und als Er- 
satz des Verlustes antiker melodischer Klarheit und Plasti- 
cität gewann die Baukunst erst in diesen Verbindungen die 
wahren Mittel zu der Entfaltung jener grossartigen Symphonie 
der Massen und Räume, die sie wohl schon frühzeitig erstrebt 
hatte (wie z. B. bei den Aegyptern und wahrscheinlich auch bei 
den Assyriern), wozu ihr aber vor der Adoption des Gewölbes 
die durch stotfliche Schranken beengte Steintektonik den Dienst 
versagte. 
g. 166. 
der Entwicklung der antiken Steinarchitektur, 
Monumenten. 
Gang 
nachgewiesen 
den 
Die 
Steinwand. 
Nach allem, was darüber bereits in dem ersten Bande und 
sonst an anderen Stellen dieser Schrift enthalten ist, bedarf es 
keiner Weiteren Rückkehr zu der Ursprünglichkeit des Prinzips 
der Bekleidung bei Darstellung der Raumesidee durch die Wand 
und die sie festigende llIauer. 
Chaldäa und Assyrien. 
Wir erkannten zwar nicht die chronologisch ältesten aber ge- 
wiss die kulturgeseliiehtlich ursprünglichsten monumentalen 
Verkörperungen der Raumesidee in den merkwürdigen inkrustirten 
Erdwällen Chaldäas, bei denen der Stein noch in keinerlei Weise 
Anwendung fand, sondern die Lehmziegelmauern eine Bekleidung 
von Stuck oder gebrannten Ziegeln erhielten. 1 
Einen weiteren Schritt zur Steinkonstruktion thut der clial- 
däisclie Baustil nach seiner Uebertragung in die mehr steinhalti- 
l Vergl. S5. (37 u. 68 des ersten Bandes.
        

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