Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1677244
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Zehntes 
Hauptstück. 
Gebälk als der ihm entgegengesetzten leichteren Dominante. Da- 
her soll das Podium wo nicht in der Höhe, so doch in der 
Kraft des Ausdrucks und in der Masse das Gebälk überbieten. 
Es darf aber durch seine Masse und Höhe das Säulenstützwerk 
als das emporstrebende Element der Gesammtform nicht beein- 
trächtigen. Aehnliches gilt von dem mehrstöckigen Bau, obschon 
es bei diesem sehr darauf ankommt, 0b er thurmartig emporstrebe 
oder sich in der Breite entwickle. 
In jedem Stile, heisse er ägyptisch, griechisch, römisch, go- 
thiseh oder sonst wie, gilt die absolut wahre Regel, dass Unter- 
bau und (oberster) krönender Theil bei Stockwerksgebäuden in 
ihren Verhältnissen zunächst vom Ganzen abhangen, als wäre 
der Gesammtbau ein nur dreigegliederter, bestehend 1) aus jenem 
Unterbau, 2) aus der ihm und dem Ganzen entsprechenden Be- 
krönung, 3) aus dem Dazwischenliegenden, das durch jene be- 
gründet und krönend abgeschlossen ist. Dabei ist aber zu- 
gleich die Harmonie der Untereinheiten (der Stockwerke und 
ihrer Gliederungen) unter sich und mit jener Hauptdreitheilung 
zu bewerkstelligen,  eine der schwierigsten Aufgaben des Archi- 
tekten, auf die wir jedoch hier nicht näher eingehen, da sie eine 
allgemein architektonische ist. 
Zehntes 
Hauptstück. 
Stereotomie. 
Technisch-Historisches. 
g. 164. 
Einleitung. 
W ährend, wie gezeigt wurde, das nächste formale Gebiet der 
Stereotomie eng begränzt ist und sich streng genommen auf die 
Substrulationsmauer beschränkt, ist der weitere Bereich ihrer 
Thätigkeit und ihres stilistischen Einflusses als monumentale 
Technik um so umfassender, weil durch ihre Vermittlung erst die 
räumliche Idee, deren Verkörperung allerdings nicht von ihr aus- 
ging, den Ausdruck einer Kunstform höheren Stils erhält. Wir 
wollen sie nun von dieser Seite aus in Betracht ziehen und uns 
dabei, dem Plane der Schrift gemäss, auf die Baustereotomie,
        

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