Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1677112
Stereotomie 
(Steinkonstruktion). 
Zwecklich-Formelles. 
375 
Die Rhythmik des Quadergeflechtes erhält eine konstruktiv- 
begründeteBereicherung durch die Abwechselung von Streckern 
und Bindern, deren letzterer Stirnflächen gewöhnlich der quadra- 
tischen Form Sieh annähern. Durch diese einwärts bindenden 
Elemente erhält die Mauer einen Zuwachs an innerer struktiver 
Thätigkeit, die ihr ein gewisses Leben verschafft, wenn sie sich 
sichtbar versinnlicht. Wenn sich irgend dekorative Auszeichnung 
an Quadern rechtfertigen lässt, so scheint es an diesen Kopfsteinen 
der Fall zu sein; welches die Alten wohl erkannten, wie aus 
einigen gemalten Quaderwänden mit dekorirten Stirnquadern her- 
vorgeht. Man darf sie wie Kopf enden (Prokrossoi) eines inneren 
Geschränkes betrachten und darnach behandeln, worüber der 
g. 134 der Tektonik nachzusehen. Die Eckverstärkungen von 
Quadermauern lassen sich mit jenen Stirnquadern vergleichen und 
als eine emporsteigende Reihe der gleichen Art behandeln, was 
sie auch in Wirklichkeit sind. Doch sapienti sat, es bleibe dem 
Leser überlassen, diese Andeutungen nach Belieben weiter zu 
verfolgen. 
Es wären noch die verwickelteren Verbände der Quadermauer 
zu besprechen, Kombinationen, deren Anzahl sich beliebig er- 
weitern lässt. Man kann durch die Wahl, die man unter ihnen 
trifft, den Charakter eines Gebäudes heben oder stören. Die 
Alten zeigten auch hierin ihren Sinn für einfache Rhythmik; die 
neueren Stile dagegen verrathen in diesem Falle wie in ähnlichen 
Fällen eine mehr romantisch musikalische Hinneigung für rei- 
chere Abwechslung rhythmischer Kadenzen, Intervallen, Cä- 
suren und dergl. Vergl. Prolegomena S. XXVIII. 
Wir hätten noch das ganze Gebiet der Wandbekleidung durch 
mosaikartig eingelegte oder angeheftete Steine, Kacheln u. drgL, 
sowie besonders auch die Fussbodentäfelung und selbst das Dach 
mit seiner schuppenartigen Struktur, als stereotomische Werke 
in den Bereich dieses Paragraphen zu ziehen. Aber in der teXtilen 
Kunst ist das Betreffende bereits erörtert worden, worauf hier 
verwiesen wird. -Nur sei bemerkt, dass die Verkettung der Ele- 
mente dieser Bekleidungen durch Versetzung der Fugen keine 
struktive Nothwendigkeit ist. Die Alten erkannten den bezeichneten  
Unterschied und hoben ihn heraus, indem sie z. B. ihre grossen, 
meistens länglicht viereckigen Filssbodenplatten (auf Märkten, in 
Tempelhöfen etc.) niemals im Verband versetzten, sondern mit
        

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