Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1677073
(Steinkonstruktion). 
Stereotomie 
Zwecklich-Form elles. 
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Sie enthalten den sichersten Aufschluss über das jedem Baustile 
Eigenthümliche, sowie über den Kulturzustand der bauenden 
Völker und Zeiten, der sich in ihren Denkmälern abspiegelt oder 
verbildlicht. 
Millionen Sklavenhände drückten sich ab an jenen öOfüssigen 
Steinblöcken der syrischen Bollwerke, der Pyramiden und sonsti- 
gen Werke Aegyptens. 
Das im Mass beschränkte, aber vollkommene is0d0n1e Ge- 
mäuer der Griechen ist Ausdruck hellenischer Weise in ihrer 
idealen Höhe und räumlich-materiellen Begränztheit. 
Das mächtige Römerwerk, unbegrenzt durch Rücksichten auf 
Mittel und Raum, sparsam im Abweisen alles Zwecklosen, in 
folgerechtester Benützung der Mittel und Wege, die am nächsten 
und rasohesten zum Ziel führen, ist ein Ergebniss der Steinkon- 
struktion in ihrer grossartigsten raumbestimlnenden Auffassung, 
bekundet zugleich seinen Charakter in mehr äusserlich dekora- 
tiver WVeise durch das Zurschaugcben des {kräftigen aber mass- 
innehaltend-praktischen Fugenschnitts. 
Entvölkerung, Armuth, Verfall der Wege und Wasserstrassen, 
Verlust der alten Bautraditionen und der mechanischen Künste, 
führten das frühe Mittelalter zu dem niedrigen Quaderwerk mit 
starken Kalkfugen, das wieder ein wichtiger Schlüssel zum Ver- 
ständniss der mittelalterlichen Bauweisen ist, sowie es die Zeiten 
eharakterisirt. 
Doch dieses Thema gehört schon in das technisch-historische 
Kapitel der Stereotonlie, mehr noch in den dritten Theil, der über 
die Baustile handelt. 
Die Dimensionen der Werkstücke sind aber nicht bloss für 
den allgemeinen Typus eines Baustils bedeutsam, dem eine be- 
stimmte mittlere Norm derselben angehört, sie sind es auch für 
den Charakter und den Ausdruck der verschiedenen Arten 
und Individuen unter den Werken der Baukunst, mögen sie die- 
sem oder jenem Stile angehören. Diese Frage hält sich gewisser- 
massen unabhängig vom Stoftlich-Historischen und gehört ganz 
hierher. 
Im Allgemeinen machen kleine Einheiten, woraus ein Ganzes 
besteht, wenn sie sichtbar hervortreten, dieses gross erscheinen; 
bis zu einer Grenze, wo sie von demjenigen Standpunkte aus, der 
für den Uebcrblick des Ganzen der günstigste ist, nicht mehr wirksam
        

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