Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1677038
(Steinkonstruktion). 
Stereotomie 
Zwecklich-Irhrmelles. 
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Vervollständigung sich zu richten haben. Doch lässt sich die 
Sache auch umgekehrt fassen, wesshalb Zierformen, die ein Wirken 
nach oben und unten zugleich ausdrücken, hier vielleicht die 
passendsten sind (Vergl.  6, S. 17 dcs ersten Bandes). 
Statt des Viertelstabes kann auch zur Einfassung die Hohl- 
kehle dienen; dessgleichen die Welle, und zwar, der oben be- 
merkten doppelten Auffassung gemäss, auf zweierlei Weisen, nämlich 
als steigende oder als fallende Welle (Kornies). Nicht wohl darf ein 
bindendes Stäbchen fehlen, Welches auch das Profil und den Schmuck 
eines Rundstabs erhalten mag. Dasselbe knüpft da an, wo das 
Hauptglied aufstützt, entweder am Spiegel oder an der Wand- 
fläche. Ist das Hauptglied nach Innen und Aussen zugleich 
thätig, so ist es durch zwei bindende Stäbchen einzufassen. 
Das Maximum des Reichthums erhält der Quader durch 
Ausschinückung seiner Spiegeliiäche. Schon die Alten kannten 
dieses Mittel und wandten es Wenigstens bei innerlichem Quader- 
Werke an, wie aus zahlreichen Beispielen mit Ornamenten und 
mitunter mit Malereien verzierter Quader hervorgeht. Man ging 
so weit sie gemmenartig in Elfenbein, Metall, Glas und geschnit- 
tenen Steinen auszuführen. Doch dieser Luxus gehört der Ver- 
fallszeit der antiken Kunst an. ' Die schmuckliebenden lombardi- 
sehen Architekten der Renaissance, so auch die französischen 
Meister, die aus der nämlichen Schule hervorgingen, gestatteten 
sich grosse Freiheiten in der dekorativen Behandlung dieses sei- 
nein Wesen nach schmuckausschliessenden Theiles. Die Tuilerien, 
das Schloss von Fontainebleau und sehr viele andere noch 
stehende oder durch Kupferwerke für uns erhaltene Prachtbauten 
der französischen Renaissanceperiode bieten Beispiele derartiger 
Ausschweifungen in der Liebe zum Schmuck. 2 
Doch die Kunst, die alles wagen darf und alles vermag, kann 
auch hier ihr Recht behaupten, wenn sie mit Geist, Geschmack und 
1113611 den Gesetzen der Stillogik verfährt, wie es in der besten 
Zeit geschah. Aber die mit Regenwurmgängen dllrßhgrabenen oder 
mit Bßllrlößhern übersaeten Quaderspiegel, die Eiszapfenquader 
1 Vergl- 5. 81 des ersten Bandes, dessen ganzer Inhalt mit dem des 
gegenwärtigen in nächster Beziehung steht. Auch 5. 80 enthält manchesDa- 
herbezügliche. 
2 Der Weiche Kalkstein um Paris, das gewöhnliche Baumaterial, ist ausser- 
ordentlich bildSam, dabei an sich selbst etwas todt. So erklärt sich die gerügte 
Schmucksucht im Bauen auch aus lokalen und gewissermaßen Sri-aktiven Gründen.
        

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