Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1676731
Tekü 
Technisch-Plistori SO 
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Der so Originelle heitere und zugleich sinnige, schwunghaft 
elegante Dekorationsstil der Renaissance war, ausser der Holz- 
schnitzerei und eingelegten Arbeit auf Holz, besonders auch beein- 
flusst durch die Metallotechnik, der jene der Frührenais- 
sance eignen Schärfen und Feinheiten zunächst angehören, der 
sie natürlich und stilgerecht sind. Die ohnediess alttraditio- 
nelle Anwendung des Metalls zu Geräthen fand besonderen Vor- 
schub durch die damals auf den Gipfel getriebene Kultur der 
Schutzwaffen, in Folge welcher die iVaifenschmiede Italiens (vor- 
nehmlich Lombarden) dahin gelangten mit ihrer Kunst die orien- 
talische,  selbst die antike Metallotechnik zu überbieten; Reich- 
thurn der Erfindung, Freiheit und Meisterschaft in der Verwer- 
thung aller dekorativ-formalen Hülfsmittel des Metalls, Voll- 
kommenheit der technischen Ausführung vereinigen sich in ihren 
Arbeiten mit dem ausgesuchtesten Geschmack und der aller- 
s tr e ngsten Stilgerechtigkeit. 
Ueber sie und ihre Werke wird noch in der Metallotechnik 
zu reden sein; hier sei nur bemerkt, dass sie die eigentlichen Er- 
finder der Renaissancearabeske sind, in der sich das orientalische 
Laubwerk und Muster mit dem griechischen Akanthus so anmuths- 
voll vermählt. So erlangte das antike Bekleidungsprinzip plötz- 
voller Bilderrahmen). In Sien a leiht Balthasar Peruzzi sein architektonisches 
Genie der Kllnßttischlerei. Seine Schüler sind die beiden Barili (1500). In 
Perugia das berühmte Getäfel und Stuhlwerk des Cambio, die Arbeit des 
Stefano da Bergamo (1535) (Sitzriieken eingelegt, das Uebrige stark skulptirt). 
In Rom macht (äiuliano da Majano die Holzdecke von S. Marco, Giuliano 
da S. Gallo die von Sta. Maria Maggiore, in einfachster Eintheilung und gol- 
dener Zierde auf Weiss, Michelangelo in Florenz die Decke der Bibliotheca 
Lanrenziana und der Benediktinerinnen. Aber vor allen berühmt sind die 
herrlichen Intarsias des Fra Damiano da Bergamo (1530) und Fra Raifaele da 
Brescia; erstere im Chore von S. Domenico zu Bologna, diese in S. Petronio. 
Ste Kapelle rechts. Von Fra Damiano ist auch das schöne hintere Stuhlwerk 
im Chßrß von Sta. Maria Maggiore zu Bergamo. Schon gegen Mitte des 16, 
Jahrhunderts beginnt in Italien die Kllnsttischlerei auszuschweifen, wovon im 
Texte das Nähere.  
Auch in Frankreich, Deutschland und vornehmlich in Belgien brachte 
diese Zelt tmmißllß Meister der Holzschnitzerei hervor. Ein Belgier Albeftg 
di Hrllle dekßfift in Venedig den Chor von S. Giorgio maggigl-e mit reich 
geschnitzten Historien und üppigem Ornament. Ein Meister Johan von Oude- 
narde arbeitet für Seine Vaterstadt und sonst in Belgien. Siehe die Altar. 
zierde im Chor der Kirche Notre Dame zu Hal und eine andere mit Karyatiden 
geschmückte dergl. in der Pfarrkirche zu Braine L9 Comte in Belgien (Gailhabaud). 
Sempcr, sm 11. 4,3
        

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