Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1676696
157. 
Die Renaissance. 
Möbel. 
Also schon seit dem 12. Jahrhunderte eröffnete sich in dem 
Möhelwesen die Aera der Renaissance, vornehmlich in Italien. 1 
Die Skulptur und besonders auch die Malerei waren dabei in 
hohem Grade betheiligt. Man schmückte die Füllungen der 
grossen Wandschränke und Truhen mit Bildern aus der heiligen 
Schrift, der Geschichte und der Fabel. Auch die Betten und 
Sessel erhielten malerischen Schmuck. Die Maler und sonstigen 
Techniker, ü bei der Möbelfabrikation rnitwirkten, wurden im 
Jahre 1349 zu Florenz in die Genossenschaft von St. Lucai auf- 
genommen. Gleiches geschah in anderen Städten, zu Venedig 
zum Beispiel, wo man später Mühe hatte, die Sattler, Schilderer 
und Siickler aus der Malerakademie heraus zu prozessiren. 
Noch im Anfange des 15. Jahrhunderts waren ausgezeichnete 
Maler, wie der Florentiner Delle, in diesem Fache beschäftigt, 
erwarben sie sich darin Ruhm und Reichthümer. 2 
Neben der Malerei scheint sich fortwährend die antike Technik 
der eingelegten Holzarbeit, die sogenannte Intarsia, in Italien 
erhalten zu haben, welche sogar später die Malerei fast gänzlich 
aus dem Möbelwesen verdrängt, indem sie nur noch mit dem 
Schnitzwerk und der Vergoldung verbunden auftritt. Bis gegen Ende 
des 14. J ahrh. sind die Marquetterieen einfache geometrische Muster, 
bestehend aus schwarzem und weissem eingelegtem Holze, zu- 
weilen tritt noch Elfenbein hinzu. Seit dem Anfang des lö. Jahr- 
hunderts geht diese Technik in das Gebiet der Malerei über; mit 
Hülfe künstlich gebeizter Hölzer werden Interieurs, historische 
Bilder und Landschaften ausgeführt, mit allen Effekten der lineari- 
schen und der Luftperspektive. Dazu tritt, zumeist für die struk- 
tiven Theile, aller Reichthum der Holzschnitzerei, die sehr bald 
1 Vielleicht in gleichem Grade in Deutschland. Der deutsche Mönch 
Theophilus berichtet uns, dass man zu seiner Zeit sich nicht darauf be- 
schränkte, die Füllungen der sknlptirten Möbel mit Malerei zu verzieren, son- 
dem dass man auch die struktiven Theile mit Figuren, Thieren. Blattwerk 
und 811911 möglichen Ornamenten bemalte und dass diese llialereieh oft auf 
Goldgrund ausgeführt wurden. 
2 Vasari, Leben des Dello.
        

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