Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1676674
T u k I4 
1.6 
U 
m lach-Historisches. 
331 
Freiheit und Widersetzlichkeit gegen die Herrschaft der Baukunst, 
deren struktive Formen absichtlich vermieden sind, eine unabhängige 
Richtung, die bis zur Missachtung ihrer Grundgesetze hinüberstreift. 
Vergleicht man mit diesen Werken ältere derselben oder ähnlicher 
Bestimmung, aus noch romanischer Zeit, in der aber das System 
sich schon vorbereitete, so bleibt über ein b ew u s stes Ringen nach 
Emanzipation von der Architektur (deren Druck auf die Klein- 
künste und die mit ihnen engverknüpfte unabhängige Skulptur und 
Malerei man schon empfand), das bei der Entstehung jener Werke 
seinen Einfluss übte, kein Zweifel mehr übrig. Sie sind, obschon 
aus dem 12. oder 13. Jahrhundert, dennoch an tigothisch, Weil sie 
mit dem an dm- Architektur herrschend werdenden Prinzipe jener 
Zeit im Widerspruch stehen; sie gehören in der That schon einer 
Art von Vorrenaissance an, indem sich ein Wiederanknüpfen an 
alte Traditionen, antikes Kunstempfinden, antike Technik an 
ihnen bemerklich macht. 
Dieses gilt auch von einem Theile des profanen Hausraths 
jener Zeit, dessen Mannigfaltigkeit grösser war als zu irgend einer 
andern Epoche, sowohl in Bezug auf Form wie auf Stoff und 
angewandte Technik. Während einige Gegenstände der mo- 
bilen Tekwnik schon streng architektonische Formen zeigen, 
halten sich andere ganz davon frei. Die Drechslerei, die reich 
ausgelegte emaillirte und embossirte Hohlmetallkonstruktion, so 
wie vornehmlich auch die Stabmetallkonstruktion, die für Sessel, 
Throne, Bettgestelle, Lesepulte und sonstige Geräthe häufige An- 
wendung finden, werden zum Theil nach antiken Prinzipien ge- 
handhabt, die den gleiehzeitig sich geltend machenden orientali- 
sirenden Tendenzen nicht widersprechen, sondern sich sehr wohl 
mit ihnen vertragen, weil der Orient der antiken Ueberlieferung, 
zum wenigsten in seiner äussern Kunstteehnik, stets getreu ge- 
blieben ist. 1 
Es dient zur Bestätigung dessen was oben über den Wider- 
1 Man vergleiche die schönen Holzschnitte Art. Chaise p. 43, 44. n. HI; 
Art. Forme p. 115; Art. Lit p. 172, 173, 175; Art. Rechaud p. 206; Art. Ren- 
quaire p. 218 und p. 221; Art. retable p. 234; Art. table p. 256 und p. 260; 
Art. 'I'r6ne p. 285; in dem WVerke Dietionnaire raisonne du Mobilier Franqais. 
Premiere Partie, Meubles. Die meisten dieser Darstellungen sind aus einem 
deutschen Manuseripte entnommen, das sich in der Strassburger Bibliothek 
befindet und dem 12. Jahrhundert angehört. Auch viele der anderen hier 
citirten Gegenstände sind deutschen oder italisuherl Ursprungs.
        

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