Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1676609
324 
Achtes 
Hauptstück. 
überhaupt kein Prinzip gegen sich das zu besiegen war, sondern 
hatte sie nur das Alte zu reinigen. 1 
Während Deutschland, unter seinen ersten grossen Kaiser- 
häusern, den Klassicismus erstrebte, wurde gleichzeitig Italien 
unter nordischern Drucke barbarisirt. 
Bei fast gänzlich entsehlumlnerter nationaler Kunstthätigkeit 
gewann hier nordische Weise und Tradition auch in den Künsten 
Eingang. Aber auch hier war wenigstens der spät-mittelalterliche 
Einfluss des Nordens ein mehr rein äusserlieher; am wenigsten 
konnte das gothisehe Prinzip sich im Civilbau anders als deko- 
rativ bethätigen, da dieser  jenseits der Alpen selbst eigent- 
lich nirgend und niemals anders als in dekorativem Sinne gothisch 
geworden war. Nur geschah dieses in Italien in noch viel weni- 
ger eingreifender Weise als im Norden. Zugleich ging das Be- 
wusstsein des technischen Ursprungs der gothischen Zierformen 
vollständig verloren, wurde das gothische Ornament wieder in an- 
tiker Weise verwandt und vertheilt. 
155. 
Das 
mittelalterliche Getäfel. 
Dem Stile nach fällt das Getäfel aus Holz in den Abschnitt 
der Bekleidung, der in dem ersten Bande sehr ausführlich ver- 
handelt wurde. Wir dürfen daher kurz anführen, dass der deko- 
rative Reiehthum der sich an den ältesten noch erhaltenen Holz- 
denkmälern, nämlich den norwegischen Kirchen, grade im Ge- 
täfel entwickelt, theils an sich, theils in den Motiven der Ver- 
zierung, die dabei hervortreten, bewunderungswürdig stilgerecht ist. 
Der romanische Baustil, fast in allen seinen Verzweigungen, 
ebenso der byzantinisehJarabische in den seinigen, befolgen in 
der Täfelung, sei sie Holz oder Stein oder Fliese, dasselbe 
richtige Prinzip der teppieliartigen Flächendekoration. 
Der gothische Stil betritt auch auf diesem Gebiete eine neue 
Richtung, gemäss der allgemeinen die er nimmt, auf die schon 
oben hingewiesen wurde. Das Füllwerk, der Rahmen, der Leisten- 
beschlag, kurz die konstruktiven Elemente der Täfelung, mit sammt 
1 Die ersten architektonischen Aufgaben der Renaissance im Norden waren 
Plafonds und sonstige innere Ausstattungen. Nürnbergs Pratrizierhäuser, des- 
gleichen die zu Braunschweig, Augsburg, Lübek, Danzig u. s. w.
        

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