Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1676598
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neues Moment der Dekoration und gleichzeitigen Konsolidation 
(anstatt der früheren Ausfüllung der Zwischenräume zwischen den 
Strukturtheilen mit Bohlen) das durchbrochene Masswcrk entgegen. 
Dessen übertriebene Anwendung, verbunden mit den holzschwä- 
chenden Auskehlungen, Rundstäben und Wassernasen, Womit der 
spätgothische Stil so verschwenderisch umgeht, sind nur äusser- 
liche Symptome des Verfalls dieser prachtvoll dekorativen Tek- 
tonik, die sich auch ihrem eigenen Prinzipe immer mehr ent- 
fremdet und sogar damit endet dasselbe rein äusserlich ornamen- 
talen Zwecken ganz aufzuopfern. 1 
Das skandinavische Dach fand durch die normännische Er- 
oberung auch in Frankreich Eingang; Zeugen davon sind die 
Fachwerkshäuser der normannischen Städte, 2 deren Giebel schon 
von Aussen das normannische Fachsystem zeigen. Aber bedeu- 
tendere Konstruktionen, gleich den englischen, sind sehr selten 
und scheinen nirgend ungemischt mit heterogenen Elementen 
vorzukommen. 3 
Noch seltener sind Beispiele derselben in Deutschland , wenn 
sie überhaupt vorkommen. Vielleicht verhinderten nothwendige 
Rücksichten auf klimatische Verhältnisse deren Einführung, viel- 
leicht auch Vorliebe für die klassische Tradition, die sich seit den 
sächsischen Kaisern in Deutschlandkund gab und nie ganz erlosch. 
Alle niedersächsischen Basiliken jener Zeiten, alle Hallen der 
Fürsten und Grossen (z. B. die Halle der Wartburg) sind oder 
waren mit Balkendecken in antikisireilder Weise versehen. 
Diesem Prinzipe blieb man im Civilbau im Allgemeinen durch 
das ganze Mittelalter getreu, aber je weniger der gothische Stil 
sich hier prinzipiell bethätigte, desto wirksamer geschah dieses 
durch Einführung gothischer Details, des Masswerks, des kon- 
struktiven Ornaments, der Wappenhieroglyphilz u. s. w., und zwar 
in immer bedenklicherer Progression bis in das 16. Jahrhundert 
hinein. So fand die Renaissance hier und im deutschen Civilbau 
1 Beispiele die Decke des Kapitelhaixses neben der Kathedrale von Exeter 
(Britton), viele übermässig verzierte Hallendächei- in Oxford, Cambridge und 
sonst (Pugin).  
2 Siehe Vignette auf S. 305. 
3 Viollet Le Dnc führt den Dachstuhl der kleinen Kirche von Hargnies 
(Nord) an, der aber bald nach der Aufrichtung mit Durchzügen versehen wer- 
den musste, weil er auswärts schob. Auch ist er verschalt. Das Gleiche 
gilt von einem ähnlichen Dachstuhle des Rathhauses von St. Quentixi.
        

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