Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1676565
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zhtes 
Hauptstück. 
theils weil die starken Hölzer selten und theuer wurden, theils 
wegen der Leichtigkeit. 
Dies hatte neue künstlichere Kombinationen zur Folge und 
führte zugleich zu steilerer Anlage der Dachflächen. Doch be- 
hielt man für Kirchen 1 das Prinzip der Verschalung bis zum 
Kehlbalken in Gewölbform bei, blieben nur die Hauptbalken und 
die Hängesäulen (durch Abfasungen und allerhand Ausschnitte 
verziert) sichtbar.  
Aber daneben erhob sich ein noch entschiedener konstruktives 
System der Kunstzimmerei, welches der allgemeinen Tendenz des 
gothischen Stiles noch mehr entsprach und sein rasch sich voll- 
endendes Schicksal theilte, nämlich sich in seiner eigenen Konse- 
quenz und Logik zu vernichten. 
Die künstliche Struktur des Daches wurde gänzlich dem Auge 
bloss gelegt und natürlich, dekorativen Zwecken zulieb, sehr bald 
überkünstelt; in der gleichen Weise wie auch das raflinirte 
Hebel- und Federnsystem der Thürschlösser dazumal gleichen 
dekorativen Zwecken diente und offen lag, zum Frommen der 
Diebe und Verliebten, die so die beste Gelegenheit hatten, ihren 
Vortheil zu studiren. 
Die wichtigsten und interessantesten noch erhaltenen Werke 
der Zilnnierei der bezeichneten dekorativen Gattung finden sich 
in England, woselbst sie bis heute im Üivilbau sich erhielt oder 
vielmehr wieder ihre Nachahmer fand. Doch ist die normannisch- 
englische Dachzimmerei von der kontinentalen prinzipiell verschie- 
den. Letztere bleibt unter allen Veränderungen, die sie durch- 
macht, immer noch der Hauptsache nach dem antik-gräkoitalischen 
Konstruktionssysteme getreu, insofern nämlich zwei Sparren durch 
einen Balken als Zugband an ihren unteren Enden gehalten und 
am Ausweichen verhindert werden. 
Die normännisch-englische Dachkonstruktion ist die alt-skan- 
dinavische, eine Art Schiifskonstruktion in umgekehrter Anwen- 
dung auf das Dach. Nach dieser ist der Balken nicht Binder, 
mit der Bestimmung, die Sparren Zllsammenzuhalten, sondern, 
wo er vorkommt, ist er nur Spannriegel, um die Wände zu 
spreizen und am Eingedrücktwerden zu verhindern, unter Um- 
standen zugleich Deckenträger; gerade wie beim Schiffbau. 
der 
1 Auch der Civilbau befolgte wenigstens in Frankreich 
Verschalung in Wölbform. 
das 
gleiche System
        

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