Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1676537
154. 
Die 
mittelalterliche 
Holzdecke. 
Nirgends finden sich sichere Anzeichen über den antiken d. h. 
griechisch- römischen Ursprung des sichtbaren Dachgespärres, 
weder an Monumenten noch in den Nachrichten der Autoren. 
Es stand in der That im Widerspruch mit der Monumentalität 
aller übrigen Theile des Tempels und anderer Werke der stren- 
gen Architektur; daher bestanden die Tempeldecken aus einem 
Getäfel, das entweder ganz von der Struktur des Daches un- 
abhängig war (wie die noch erhaltenen Steindecken mehrerer 
Tempel), oder wenigstens das Gespärre des Daches verkleidete 
und dem Auge entzog. Vielleicht dienten zuweilen die Holz- 
balken des eigentlichen Tempeldaches zugleich als Dcckenträger, 
oft aber befand sich zwischen der Decke und dem Dachgebalk 
ein niedriger Zwischenboden, Welcher zu Zeiten als Schlupfwinkel 
und geheimer Kommunicationsweg diente. 1 
Auch die Basiliken waren getäfelt, wie die des Vitruv zu Fano 
und die Ulpia des Trajan. Ebenso die enormen Badesäle, die 
mit Plafonds aus Eisengegitter und dazwischen verbreitetem Mörtel- 
gusswerk bedeckt oder auch regelrecht überwölbt Wurden. Wären 
sichtbare Dachstühle üblich gewesen, man würde sie gewiss bei 
öffentlichen Räumen von so ungewöhnlicher Spannweite benützt 
haben.  
Ob nicht vielleicht der Civilbau sie adoptirte, mag zweifelhaft 
bleiben. Jedoch findet man auf Wandbildern wohl schräge Bal- 
kendecken, aber meines Wissens kein Beispiel eines dekorativ 
behandelten vollständigen Dachgespärres. 
Auch die jetzt sichtbaren Dächer der römischen Basiliken 
waren ursprünglich mit einer Kassatur bekleidet, wie diejenige 
ist, welche, allerdings nach später Erneuerung, 2 sieh über das 
Schiff der Sta. Maria maggiore wieein prächtiges Velum aus- 
breitet. 
1 Eur. Orest. 1371. Ich Hoh über die cederne Decke der Halle und durch die 
dorischen TH-iglyphen. P3115311, V, ep. 20, wo die Sehmuckdecke des Hera- 
teinpels dem Ziegeldachwerke entschieden gegenübertritt. {j 59 süvzgänsuz aräyn 
1; 01112101560: zbv xägayov u. r. 2.. Vergl. auch Tacit. Annal. lib. IV. cp. 69. 
9 Eine Stiftung Alexanders des sechsten, von Giuliano da San Gallo aus- 
geführt, wahrscheinlich nach dem Vorbilde des alten Plafonds.
        

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