Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1676523
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Achtes 
Hauptstück. 
so bestehen die Bekrönungen derselben oft aus mehreren sehr 
{lachen antikisirenden Kehlstössen. 
Zumeist nimmt ein reiches System vieler derartiger Zonen die 
ganze Schichtenfolge der Balken zwischen den Stockwerken von 
Fensteröffnung zu FensteröEnung in Anspruch und bildet es eine 
breite Gurtung des Hauses, die nur durch die gleich hohen und 
eben so reich, obschon anders, verzierten Galleriebrüstungen 
unterbrochen Wird. 
Offenbar war eine Nebenabsicht dabei, die Windrisse und selbst 
die horizontalen Fugen der Blöcke zu verbergen oder vielmehr ästhe- 
tisch aufzuheben. Ein dem gothischen entgegengesetztes Prinzip. 
Einige der hierbei vorkommenden Ornamente sind einfache 
Einkerbungen, die zusammengenommen einem Geflecht gleichen 
und die der romanische Steinstil offenbar aus der Holzarchitcktur 
aufnahm. 
Die Abfasung, woraus so viele gothische Ornamente entstan- 
den sind, findet nur beschränkte Anwendung. Dafür sind die 
scharfen Kanten. der Stirnhölzer zumeist mit Reihen von Ausker- 
bungen in Bogenform versehen. 
Der reiche, bildnerische Schmuck erhält drittens seine Ergän- 
zung durch Malerei. Der schöne Lokalton der Rothtanne scheint 
dabei als Grund beibehalten worden zu sein, obschon es schwer 
zu bestimmen ist, 0b dies die älteste Weise war. Die geschnitzten 
Ornamente wurden mit flachen, zumeist sekundären (grünen und 
violetten) Tönen bemalt. Die glatten Friese dazwischen weiss, 
mit schwarzen Insohriften. 
Das harmonische Zusammenwirken dieser eigenthümlichen 
Holzgebäude mit der grossartigen Alpennatur, auf deren Boden 
sie gewachsen zu sein scheinen, ist schon oft mit Recht hervor- 
gehoben worden. In der That bleibt ein Aufgehen in die Natur 
die einzige Auskunft der Baukunst, wo sie innerhalb einer so 
überwältigenden Umgebung sich bethätigen muss;  ein Wett- 
kampf mit ihr, ein wirksames Ihrgegenübertreten ist unmöglich; 
dennoch ist auch hier ein kontrastliches Wirken thatig, die brei- 
1811, niedrigen Verhältnisse, das flache Dach, die warme Farbe, 
das gemüthlich enge Familiengehäuse, als Vorgrund des erhabe- 
nen, himmelsteigenden, aber etwas kalten Naturbildes. 
Die gothischen Spitzthürme so wenig wie die Kuppeln sind an 
den Füsscn der Alpen am Platze, noch wollen sie dort gedeihen.
        

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