Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1676515
'l'ektoxxila. 
Technisch-Historischcs. 
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denen sich kühn die Träger der schwebenden Theile entwickeln, 
werden noch ausserdem gegliedert durch die stärkeren und etwas 
mehr vorragenden Hauptbalken, welche bestimmt sind, die 
Dielen, woraus die Fussböden bestehen, in einer laufenden Nuthe 
aufzunehmen. Sie haben a.n der Stirniläche ihr eigenes steil auf- 
steigendes Konsolenprofil. Also nicht wie im F achwerke sind die 
Etagenbalken, sondern die Wandhölzer die tragenden Theile. 
Ein wohl durchdachtes System, dessen Vervollständigung der ihm 
eigenthiimlichc Ornamentenschmuck bildet. Er ist dreifacher Art 
und Entstehung. 
Zuerst der schon genannte Brettverschlag der 
Fenster- und Thürrahmhölzer, der Brüstungen, des Giebelrandes 
u. s. w. Sie sind in gleicher Weise wie an den Tyroler Häusern 
zierlich ausgeschnitten und bilden nicht selten sehr geschmack- 
volle Einfassungen, nach strengstem Gesetze der zwecklich dyna- 
mischen Symbolik. Dazu gehören auch die aufgesehlagenen 
Leisten und bekrönenden Kehlstösse. 1 
Zweitens das Schnitzwerk der Balken. Abgesehen 
von den bereits angeführten Konsolenformen ihrer Ausläufer sind 
sie auch (oft bis zur Ueberfülle) architravähnlieh ihrer Länge nach 
mit Schnitzwerk verziert; wobei man unwillkürlich an eine Nach- 
ahmung ursprünglicher Brettverkleidung und zugleich an das an- 
tike Antepagment erinnert wird. Das Profil eines solchen 
geschnitzten Balkens ist dem Prinzip nach identisch mit dem an- 
tiken Architrav, wenn schon die Details mehr romanisch, keines- 
wegs aber gothisch und fast ebensowenig cinquecentistisch sind. 
Die untere Hälfte des Balkens tritt um einige Linien zurück, 
oft in 2 und 3 Absätzen übereinander, der oberste Absatz ist 
zumeist bogenfriesartig mit leicht vorladenden Konsolen aus- 
geschnitzt, die mittlere Zonebesteht aus einem sehr konventionell 
gehaltenen Pilanzengewvinde oder sonstigem vegetabilischen Orna- 
ment, wobei eine Berücksichtigung der Flora des Landes so wenig 
wie der Renaissancetypus erkennbar ist. Die Aufeinanderfolge der 
Friesverzierungen ist jedoch sehr abwechselnd; nicht selten sind die 
einzelnen Zonen durch sehr flache Karniesstäbe getrennt. Eben 
1 Da ich genöthigt bin mit meinen Illustrationen haushälterisch zu sein, 
unterlasse ich es die viel bekannten und in den genannten Werken trefflich 
dargestellten Schweizerhäuser, von denen der Text handelt, hier zu reprodu- 
ciren, indem ich über sie mich einfach auf jene Werke berufe.
        

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