Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1676501
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Achtes 
Hauptsti 
ick. 
gen erlitt; damals sowie heute wurden die Ställe roh konstruirt 
und die Wohnungen besser. 1 
Wir wollen uns in dem Folgenden darauf beschränken das 
Eigenthümliche, was das vollständig stilistisch durchgebildete 
Schweizerhaus charakterisirt und von anderen Holzgebauden unter- 
scheidet, kurz zu bezeichnen, nachdem ihr Verwandtsehaftliches 
bereits hervorgehoben wurde. 
Ueber dem aus Bruchsteinen ausgeführten Unterbau erhebt 
sich die aus vierkantigen etwa sieben Zoll dicken Stämmen auf- 
geführte Blockkonstruktion. Die Stämme sind quer übereinan- 
dergelegt und sehr sorgfältig mit versetzter Ueberplattung an 
ihren Enden so gefügt, dass sie dicht aneinander schliessen. Die 
Köpfe der Balken ragen aus der Wand hervor. 
Man benützt diese Balkenköpfe, 2 um die Lauben und vorsprin- 
genden Dachfetten durch sie zu stützen. Der obere Balken über- 
kragt den unteren und stützt den über ihm liegenden, der noch weiter 
vorspringt, bis die erforderliche Ausladung des letzten tragenden 
Balkens erreicht ist. Durch Ausschnitte wird die stufenweis wach- 
sende Ausladung der Balken in ein gegliedertes Konsolensystem ver- 
wandelt; die dabei vorherrschend angewandten Chablonen entspre- 
chen dein antiken Formenkreise .3 Da die Seheidewände des Innern 
der Häuser eben so oonstruirt sind wie die Umfassungswände, so 
bilden ihre Balkenenden eben so viele lesenenartige Vorsprünge 
der Aussenwand und darnach richtet sich die Zahl der Träger. 
Die soleherweise aus der Konstruktion entstandenen Lesenen, aus 
l Die Häuser jüngsten Datums, aus den 30r und 401- Jahren dieses Jahr- 
hunderts, sind in struktiver und dekorativer Beziehung! genau wie die zwei- 
hundertjährigen, mit Ausnahme einzelner Verunstaltnngen, wie z. B. der 
Giebelverkleidungen durch bogenartig ausgeschnittenes Brettwerk. der gebro- 
ebenen oben abgewalnxten Giebel und sonstigen modernen Unfugs (Grafenried 
und Stiirler, Tab. XXX, XXXI, XXXID- Diese Wahrnehmung bestätigt un- 
sere Ansicht von dem vorcinquecentistischen Ursprung de? gedachten baulichen 
Traditienen. 
2 Die Lauben und natürlich auch die Dächer sind primitiv; man benützte 
die Struktur, die in Anwendung kam, um erstere anders zu stützen, als sonst 
geschehen- wäre. 
3 Die bessere ältere Weise befolgt dabei die Regel die Fugen durch die 
gewählten Kontoure der Ausschnitte stets rechtwinklicht zu durchschneiden 
und sie durch das Dariiberbefindliche zu decken. Auch vermeidet sie zu tiefe 
Auskehlungen und überhaupt die gesuchten Formen. Mitunter treten Metall- 
träger, als letzte Ausläufer und Stützen des untersten Consolenvorsprungs hinzu.
        

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