Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1676490
Tvktü 
nik. 
Technisc 
J-Iistorisuhvs. 
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nicht auf späte Renaissance, sondern theils auf romanische, theils 
auf noch ursprüngliehere Bauweise hindeutet. 
Die Unterschiede zvrischen ihnen sind eigentlich nur solche, 
die aus der konstruktiven Verschiedenheit beider hervorgehen, 
wozu besonders die Vertheilung der Fenster zu rechnen ist, die 
in Steiermark, Oberbayern und Tyrol in Folge des Fachwerk- 
systcmes gewöhnlich in regelmässigen Zwischenräumen einzeln 
stehen, in der Schweiz aber, um den Blockverband nicht zu 
schwächen, in Wenige Gruppen verbunden sind. 
Das antike, niedrige, weitausragende Fettendach, mit seinen 
steinbelasteten Holzschindeln, desgleichen die Lauben unter dem- 
selben sind beiden gemein, sowie ihre Unterstützung durch aus- 
kragende Balken; aber die Arten der Unterstützung sind wieder 
aus struktiven Gründen verschieden. 
Die Holzbekleidung beschränkt sich an dem Sehweizerhause 
nur auf einzelne Theile, nämlich auf die Fenster- und 'l'hü.rein- 
fassungen, auf die Brustwände der Lauben und auf den Giebel- 
rand, weil die Bloekwände an und für sich Flächen bilden. Da- 
bei sind die Kehlstösse nach dem gleichen antiken Profilirungs- 
principe durchgeführt, wovon schon oben die Rede war; auch hier 
keine Spur einer gothisehen Reniiniscenz. 
Die Gitterkonstruktion des tyroler Hauses konnte an dem 
Schweizerhause keine Anwendung finden; dafür ist letzteres rei- 
eher mit geschnitztem und bemaltem Ornamente ausgestattet, 
dessen Charakter wieder mehr romanisch als spätitalienisch ist 
und woran gar nichts auch nur leise den Baustil der 13., 14. und 
15, Jahrhunderte zurückruft. 1  
Das Vorkommen sehr roher und aus runden Stämmen aufge- 
führter sogenannter Staffeln oder Ställe darf nicht verleiten, in 
ihnen den ersten Ursprung dieses Stils zu suchen, der sicher 
schon ausser Landes in seinen Hauptstücken festgestellt war und 
wohl seit Tausenden von Jahren keine wesentlichen Abänderun- 
1 Obschon die meisten Häuser der Schweiz aus dem Anfang des vorigen 
Jahrhlllldeftß 51113, S0 haben sich doch noch einige aus der Mitte des 16. 
erhalten, an denen Reminiscenzen aus der gothischen Zeit sehr wohl zu er- 
warten wären, die aber vollkommen gleiche omamentale Motive zeigen wie 
die späteren. An. einer alten Scheune in Intefläkeh findet sich noch 
romanisches Eisenbeschläge. 
Semper, Stil H.
        

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