Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1676485
312 
Achtes 
Hauptstück. 
Eigenthünilich sind die Balkonbrüstungen aus aneinander ge- 
schobenen Brettstücken, deren Ausschnitte anmuthige Muster bil- 
den. Die ursprünglicheren Muster sind nicht willkürlich, sondern 
geben die Umrisse einer Bnlustrade wieder. 
So viel von diesen merkwürdigen Holzgebäuden, die als Illu- 
strationen der im vorigen Hauptstücke gegebenen abstrakt-for- 
malen Grundsätze dienen können. Holzkonstruktionen der ge- 
dachten Art finden sich auch in der Schweiz, besonders in den 
westlichen Kantonen, wo sie in Verbindung mit einer eigenthüm- 
liehen Fensterladendisposition vorkommen. Die Fenster sind näm- 
lich von Aussen durch Läden geschützt, die theils aufwärts, theils 
seitwärts geschoben werden können, indem sie in Nuthen laufen. 
Die Felder, in welchen sie sich bewegen, sind mit zierlich durch- 
brochenem Leistenwerk umrahmt. Mein Kollege Prof. Gladbach 
in Zürich hat schöne Beispiele dieser und anderer Schweizer- 
häuser gesammelt und bereitet deren Herausgabe vor. Ihm ver- 
danke ich bcistehendes Beispiel. (S. Figg. S. 31011. 311.) 
153. 
De r 
Blockverband. 
Das 
Schweizerhaus. 
Der Bloekverband scheint selbst dem Reiswerk das Vorrecht 
der Ursprünglichkeit streitig zu machen, ist aber doch mehr eine 
technische Erfindung der Bewohner nadelholzreicher Gebirgs- 
striche, die sie machten, wie bereits gewisse Motive des Haus- 
baues als Reminiseenzen älterer Zustände der Gesellschaft vor 
ihrer Einwanderung bei ihnen festgestellt waren. 2 Dies mag die 
grosse Aehnlichkeit, die zwischen den in konstruktiver Hinsicht 
so verschiedenen steiermäirkischen und Schweizer Bauernhäusern 
ebwaltet, erklären. 
Im Wesentlichen gilt von letzteren das Gleiche, was über jene 
gesagt wurde, nämlich dass sie nicht die Spur von der Einwir- 
kung des gothischen Stils an sich tragen, vielmehr alles an ihnen 
1 Aruhitccturu Suisse 011 choix dv maisons rustiques des Alpes du Can- 
ton de Bßrllß- Pur Grafenried et Stürler ArChiteCtßS. Paris et Berne 1844.  
Eisenlohr. 
2 Bauen doch auch heutä die Söhne des übercivilisirten Europäs, wenn 
sie in die Urwälder Amerikzüs verschlagen weräen, ebenfalls im Bloßkstil.
        

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