Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1676435
mik. 
'l'echnisuh-Historisches. 
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Einführung alle Erinnerung an die vorhcrg-ebrauchten gothischen 
Formen total bei ihnen erlosch ? 
Beide Annahmen würden zu der Erklärung der erwähnten 
'l'hatsache nicht genügen. Eine genauere Prüfung lässt den Bau: 
stil dieser Landhäuser und die Kunstformen an ihnen auch gar 
nicht als der Renaissance angehörig erscheinen, sondern man 
muss die antiken Traditionen, die hier vorliegen, entweder für 
spätrömisch (romanisch) oder (vielleicht richtiger) gradezu für 
grakoitalisch erkennen. Dies bezieht sich nicht ausschliesslich 
auf die Verzierungen, vielmehr trägt das süddeutsche Holz- 
haus in seinem Gesammterscheinen den gräkoitalischen 
Typus: das {lache weitvorragende Giebeldach, die Fettenkon- 
struktion desselben, das Tabulatum, das rings um das Haus heru1n_ 
oder doch an mehreren Seiten desselben, fort läuft und an die 
Mesodme und Pergula der hellenischen und römischen Häuser er- 
innert, die Mischung der Steinkonstruktion mit der Holzstruktur, 
besonders auch das daran hervortretende Prinzip der Bekleidung, 
der Brett- und Leistenverschläge für Vvandflächen, Thür- und Fen- 
stereinfassungen, die Antepagmente der Stirnflächen an Fetten und 
Balken, der mehr malerisch polychrome als bildnerische Schmuck, 
alles dies tritt zusammen um der schon von Leo v. Klenze aus- 
gesprochenen Vermulhung, dass in diesen Hausern eine uralte Bau- 
tradition sich ziemlich ungemischt erhalten habe, einen gewissen 
Grad von Wahrscheinlichkeit zu gehen. 
Zur Bestätigung geben wir die Fronte eines Hauses aus Bai- 
risch-Tyrol, mit den dazu gehörigen Details. 
Der Bau besteht aus einem in Bruchsteinen aufgeführten Erd- 
geschoss, und in einem Obergeschoss von Fachwerk, dessen 
Fussbodenbalken zwar sehr stark ausladen (etwa 4 Fuss) aber 
nicht, wie bei dem städtischen Wohnhause, mit ihren Kopfenden 
die obere Wand, sondern nur eine leichte Galerie tragen. 
Noch um das Doppelte der Fussbodenballaexi strecken sich 
die Fetten und Sparren des Daches hinaus, die durch unterge- 
schobene Stichbalken und Bügen (Winkelbänder) gestützt sind, 
die Stiche sind nach antikem Prinzipe in Konsolenform ausge- 
schnitten, die Winkelbänder durch leichte Einkerbungen und 
Schweifungen belebt. 
Statt des nordischen Schnitzwerkes ist überall nur durch das 
Ausschneiden des Holzes und entsprechende Bemalung ein deko-
        

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