Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1676427
306 
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Doch trifft dieser Vorwurf weniger die alte nuch halbromanische 
Gothik als die spätere, der fast alle Holzgebäude dieses Stils an- 
gehören. 1 
Mit der Renaissance kolnint wieder das antike Kunstbewusst- 
sein zum Erwachen, und zwar auffallender Weise tritt es, wie 
schon gesagt, in dieser populären Holzarchitektur am frühesten 
und am unbefangensten hervor. 
Von nun an wird die freie bildnerische und malerische Kunst 
dem Füllwerk zurückgegeben, kommt man für die Ausstattung der 
Theile des Gerüstes auf die alte niemals im Volke ganz ver- 
klungene Tradition der bildlichen Versinnlichung; der dynamischen 
Üliätigkeiten dieser Theile zurück. 2 
152. 
Das 
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F'achwerk 
südi 
Deutschlands. 
Istlichen 
Der städtische Civilbau musste wie überall so auch in die- 
sen Gegenden der gothischen Neuerung folgen, die ja grade durch 
das Bürgerthum bei der Erbauung grossartigcr Dome und städti- 
scher Pfarreien am meisten gefördert und gepflegt wurde.  
Dagegen hatte die gothische Neuerung im eigentlichen Land- 
bau des Mittelalters keinen sonderlichen" Erfolg, ja fand sie in 
den isolirten Gebirgsstrichen Süddeutschlands Wahrscheinlich nie- 
mals Eingang, denn sonst würden sich gewiss Üeberreste und 
Spuren eines gothisirenden Geschmacks an den baugeschichtlich 
so interessanten tyroler und steirischen Landhäusern zeigen. Dies 
ist aber nicht der Fall;  wohl findet man in den Städten 
Süddeutschlands gothisch verzierte Holzwohnungen, die sich von 
den nordwestdeutschen nicht wesentlich unterscheiden, aber kaum 
eine Spur davon auf dem Lande. Ist aus der gothischen Zeit 
nichts mehr von Landhäusern übrig geblieben, haben die sonst 
so starr konservativen Bauern dieser Gebirgsstriche mit solcher 
Leidenschaft den Rcnaissancegeschmaclä aufgefasst, dass mit dessen 
1 Viollet Le Duc in seinem Dictionnairc (Art. Charpente Vol. 3, S. 3.5) gibt 
ein seltenes Beispiel aus dem 13. Jahrh- 
2 Vergl. die verschiedenen Werke über mittelalterliche Baukunst und spe- 
ziell über Holzarchitektzlr in Deutschland und Frankreich. Besonders das oben 
angeführte Buch von Pugin, und die Architecture Civile von Verdier und 
Cattois. Die klassischen Städte in Frankreich für derartige Fachwerksarchi. 
tektur sind Orleans und Rouen, so wie etwa Braunschweig für Deutschland.
        

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