Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1676392
Tektonik. 
'l'echnisch-Historisches. 
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auch wohl der Quere nach mit Nasen und Hohlkehlen, oft schnitt 
man zwar Köpfe aus ihnen heraus, ohne jedoch sich der zweck- 
lich-struktiven Symbolik dieses Motives bewusst zu sein. 
Die Renaissance fasste sie, wahrscheinlich wieder anschlies- 
send an den romanischen Holzstil, in der antiken Weise als hori- 
zontal vorwärts strebende und Last aufnehmende ideale vegeta- 
bilisehe Form (Volutenkonsolc) auf. 
Das zweite stützende Glied, das Kragholz oder der Bug, ist 
wie jenes aktiv und dienend. Im gothischen Mittelalter ist 
es oft nur der ganzen Höhe nach ausgekehlt mit Aussparung 
eines halb oder ganz erhabenen Schnitzwerkes (eines Heiligen 
unter einem Baldachin, eines YVappenträgers, eines einfachen Wap- 
pens und dergl.) 
Die Renaissance vermeidet auch hier das Tendenziöse und 
kehrt zu der antiken Weise des Anschaulichmachens der zweck- 
lich-dynainischen Thätigkeit dieses Baugliedes zurück. 
Sie behandelt daher diesen Bug oder Knacken konsolen- 
artig', aber im Sinne rückwirkender (nicht wie beim Balkenkopfe 
relativer) Widerstandsthätigkeit. 
Den Stützpunkt iindet der Bug in der Vorderfläche der unteren 
Standsäule, die daher passend mit kandelaberartigcn "Montans" 
oder in sonstiger Weise verziert wird, zur Aufnahme dieser Wir- 
kung von Aussen. 
Dies die Stützen und Träger, denen der Oberschoss und zu- 
nächst als Repräsentant desselben die obere Schwelle als Getragenes 
entspricht. Die gothische Periode behandelt sie wieder mehr sinn- 
lich technisch, mit oft sehr geschmackvoller und freier Benutzung 
der Ziminermannsprozesse des Abfasens, Auskehlens und dergl. 
zu plastisch-dekorativen Zwecken. Eine WaSSBPHaSG mit Schrä- 
gem Abfall dient häufig zur Bekrönung, Inschriften, oder ein 
gothischer Bogenfries ziehen sich auf der Schwelle fort; mitunter 
ist sie stichbogenartig oder im steigenden Zickzack von Balken 
zu Balken ausgeschnitten. Oft erscheint sie als nur eingewechselt 
und steht die obere Säule unmittelbar auf dem Balkenkopf. 
Die Renaissanqe kehrt zu der Form des antiken Architravs 
zurück, behandelt die Schwelle demgemäss als durchgehenden 
Rahmen und als tragenden Gurt. 
Es folgen über der Schwelle die Stützsäulen des Oberstocks 
mit ihrem Geschränk.
        

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