Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1676376
Tekh) 
nik. 
Technisch-Histox 
isulnes. 
301 
auf kurze Zeit verdrängte romanische Motive an, die in den 
früheren und besseren Werken aus dieser Zeit in verfeinerter 
Durchbildung unverkennbar wieder hervortreten. 
Das Nichtvorkoinmen spezifisch gothischer Elemente und die 
allgemeine Verbreitung solcher Motive, in denen romanische Tra- 
dition mit italienisch antikisirenden Einflüssen vermischt enthalten 
zu sein scheint, an den ältesten (allerdings erst dem 15. Jahr- 
hundert angehörigen) Holzgebäuden gewisser südgermanischer 
Länder (Tyrols und der Schweiz) bekräftigen meine frühere Be- 
hauptung, der mittelalterliche Holzbau habe seit der romanischen 
Zeit in kunstformaler Beziehung keine wesentlichen Veränderun- 
gen erfahren, der gothische Stil habe so wenig auf ihn wie über- 
haupt auf den gesammteu Civilbau des Mittelalters durchgreifend 
organisch, sondern nur äusserlich eingewirkt; und zwar auf 
sehr ungünstige Weise, theils durch das zu nüchterne Erfassen 
des struktiven Elements der Dekoration, nicht im antik symboli- 
schen, sondern im buchstäblich technischen Geiste, theils und 
noch mehr durch Uebertragung von Motiven die dem Gewölb- 
systeme der steinernen Kirchenschiffe ihren Ursprung verdanken, 
auf den Civilbau und auf leichtes Holzgerüst. 
Der westgermanische Fachwerksbau charakterisirt sich be- 
sonders (lurch das Stockwerkg, Dasselbe konnte in der ihm 
eigenthiimlichen Weise nur unter räumlich beschränkenden Be- 
dingungen entstehen, ist ein Ergebniss des städtischen Zusam- 
menwohnens, wenn nicht ein älteres Motiv dazu in den obersten 
hölzernen Aufsätzen der festen Thürme zu suchen ist, deren es 
in deutschen Grauen schon zur Rörnerzeit gegeben 118i- 
DaS Vorspringen der Stockwerke über einander hat an (liesen 
Holzstrukturen nicht allein Raumgen-dnn und Schlitz der unteren 
Theile, sondern auch konstruktive Vortheile zum Zwecke, ist 
ausserdem ästhetisch begründet. 
Bei schmaler Fronte und beengendern Allignement der Strasse 
wird durch Ueberkragung der Balken für die Etagen mehr Tiefe 
gewonnen. Die konstruktiven Vortheile, die damit gleichzeitig 
erreicht Werden, erhellen aus beifolgender Zeichnung: die Last der 
Wände arbeitet nämlich der Belastung des Fussbodens entgegen.
        

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