Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1676333
Tektonik. 
Technisch 
J] istorisclnes. 
297 
sich auch hierin als Ergebnisse kunstbewusstester Handhabung 
des oben bezeichneten malerisch räumliCh-aFChitGlKtOHiSCbGn Prin- 
zips. Dasselbe feiert einen zweiten Sieg in dem Kuppelbau der 
Renaissance;  letztere aber lässt, auffällig genug, im Civilbau 
dasselbe beinahe gänzlich fallen; wenigstens gilt diess von den 
Palastbauten der italischen Hauptstädte der 16. und 17 Jahrhun- 
derte. Selbstverständlich niusste im Süden das malerische Ele- 
ment in der Baukunst ganz andere Verbindungen eingehen als 
im Norden  aber immerhin haftet an der Palastarchitektur der 
Renaissance in dieser Beziehung ein Mangel. Die französische 
Renaissance sucht ihn, freilich oft auf Kosten der Ruhe und 
Grösse, nach ihrer Weise auszufüllen. 
Dennoch ist die se Aufgabe der Architektur weder durch die 
angeführten Beispiele noch sonst vollkommen erfüllt und bleibt 
deren Lösung der Zukunft vorbehalten.  
Jene kölnischen Kirchen, Sta. Maria vom Capitol, Sti. Apostoli, 
StGereon, St. Martin und was diesem Verwandtes am Rheine und 
sonst im Bereiche der alten karolingischen Herrschaft bestand 
oder noch besteht, sind Abkömmlinge und lapidarische Ausdrücke 
einer architektonischen Idee, die schon in den hölzernen Kirchen 
der nordischen Heidenbekehrer deutlich enthalten war, auf deren 
Stelle sie nach dem Schlusse des ersten Jahrtausends errichtet 
wurden. 1 
Wir gehen weiter und sehen in manchen charakteristischen 
Details des niederrheinisch romanischen Stils den unmittelbaren 
Einfluss der Holzkonstruktion und gewisser Eigenthümlichkeiten der 
altnordischen Holzarchitektur. Z.B. erscheinen uns die niedrigen von 
Holzbalüstern gestützten und halbverschlossenen Lauben oder 
Laufgänge der nordischen Kirchen nicht als Nachbildungen by- 
zantinischer oder romanischer Arkadengalerieen, sondern umge- 
kehrt letztere, wie sie am Rhein und in dem lolnbardischen 
Oberitalien am häufigsten und wohl auch an1 frühesten vorkom- 
men, als durch jene motivirt. Die niedrige weitgestellte Stütze 
entspricht durchaus dem Holzstile, kennzeichnet sich als ihm 
1 Treuere Ausdrücke dieser Vorbilder als der Aachener Dom und die an- 
deren ihm entsprechenden Werke aus der Zeit der antikisiren den und 
byzant ini sirend en fränkischen Kaiser, die im Wesentlichen allerdings auch 
der gleichen Idee entsprechen. 
SemyepStil 11. 38
        

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