Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1676321
149. 
Die 
skandinavische Holzkirche. 
Das alte Dynastenhaus müssen wir uns erst nach den Sagen 
konstruiren, diese steht uns in wohl erhaltenen Exemplarpn noch 
vor Augen und rechtfertigt wundersam in allen Stücken unsere 
g. 148 aufgestellte Charakteristik der nordischen Architektur. 
Wir Wollen nicht erst bei der merkwürdigen Uebereinstimmung 
ihres Grundplans mit demjenigen der. nordischen Dynastenhalle 
verweilen, obschon dieser Umstand, als Beweis für die Orginalität 
beider (man hat auch in diesen Kirchen das byzantinische 
Vorbild gesehen) hinreichend Wichtig ist, wir wollen vielmehr die 
Aufmerksamkeit besonders darauf richten, wie auch in ihnen (den 
Kirchen nämlich) der Grundsatz der Selbständigkeit der Raumes- 
einheiten, die sie bilden, so ausgesprochen hervortritt, dass bei- 
nahe kein Zweifel bleibt, ein bestimmtes baulich-ästhetisches Be- 
wusstsein sei hier thätig gewesen. 
Diese Kirchen sind nicht Centralbauten in byzantinischer Weise, 
vielmehr entsprechen sie nach der Form des Grundplanes einer 
kurzen Basilika, aber sie sind es in dem Sinne freier Gruppirung 
von Räumen um einen vorherrschenden aber keineswegs voll- 
ständig unterjochenden Hauptraum; sie sind es in dem Sinne 
eines malerischen Prinzips, das auf den Steinstil, profanen 
sowie kirchlichen, übertragen wurde, und sich im Norden aufrecht 
erhielt, obschon bei der Durchbildung der romanischen Basilika, 
in der nach dem Ende des ersten Jahrtausends befolgten Rich- 
tung, das Bewusstsein desselben sich verdüsterte, so dass es nur 
noch im mittelalterlichen Civilbau, der vom gothischen Baustile 
nur dekorative Formen entlehnte, sich traditionell behauptete. Die 
malerischen Massengruppirungen und lebendigen Umrisse unserer 
mittelalterlichen Städte sind altnordisch-romanisch, nicht 
gothisch; der gothische Stil ist über sie hinweggegangen, und hat 
sie mit seinen Spitzdächern eher beeinträchtigt als verschönert. 
Nicht leicht wird Jemand den gothischen Riesenbasiliken, die sich 
wie Walfische aus dem Häusermeere herausheben, Üebereinstim- 
mung mit letzterem und malerische oder auch selbst architek- 
tonische Fernwirkung aufrichtig zuerkennen können;  aber 
die herrlich gruppirten Centralbauten des Niederrheins, beweisen
        

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