Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1676305
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Achtes 
Hauptstück. 
steht in keinem Zusammenhange mit den Wänden, so dass es mit 
einigem Kraftaufwande herabgezogen werden kann. Es ist mit 
Schindeln gedeckt, oder mit Birkenrinde. Es reicht tief herab. 
Die Giebel sind mit ausgeschnittenen Brettern verschlagen und 
geziert.  
Das nordische Holzschnitz Werk, bei diesen hölzernen Ge- 
bilden nicht das am wenigsten Bemerkenswerthe, führt gleichfalls 
auf ostasiatische aber in eigenthümlichcr Weise durchgebildete 
Motive zurück. "Holz ist der echt germanische Bildstoff", in 
Holzarbeiten treffen wir die altnordische Kunst auf ihrem eigenen 
Felde, mit dieser Tradition, wie mit anderen bereits angedeu- 
teten, arbeitet sie dem mittelalterlichen Steinstil vor. 1 
Die (stets polychromc) Schnitzerei bcthätigt sich besonders 
an den Vorsprüngen (Balkenenden, Sparrenköpfen, u. dergl), 
die in allerlei abenteuerlich geschweifte Thierformen und Band- 
geschlinge auslaufen; aber auch die Thürrahmen, die Säulen und 
die Wandgetäfel sind oft mit flachem Schnitzwerk wie mit Tep- 
pichen überdeckt. 2 Die Saga's erzählen viel Rühmliches von sol- 
chen Arbeiten. Am berühmtesten War das WVand- und Decken- 
getäfel im Hause des Olaf Pfau, "dessen Schnitzerei schöner war 
als 'l'apetenstickerei,t' welches der Skald Ulf Uggason in einem 
besonderen Gedichte besang. Der Name eines berühmten Schnit- 
zers ist auf uns gekommen, Thord Hraedas, der sein eigenes Haus 
auf Island mit seiner Kunst wunderherrlich geziert hatte, von Wel- 
cher sich bis ins 16. Jahrhundert einige Bruchstücke erhielten. 3 
Die figürlichen Darstellungen an diesen ältesten Schnitzereien 
hatten sich Wahrscheinlich noch kaum aus dem Ornamente abge- 
löst und glichen wohl den ältesten noch erhaltenen Schnitzereien 
der norwegischen Holzkirchen, deren schon oben Erwähnung ge- 
schah. Wie Weit sich Byzantinisches mit acht nordischer 'l'radition 
in diesen Skulpturen vermischen und wie vieles davon auf letz- 
tere kommt, ist schwer überzeugend nachzuweisen; doch mag uns 
1 Weinhold 1. c. p. 418. 
2 Aelteste Reste davon stammen aus dem 10. Jahrhundert, ein paar Bretter 
aus der eichenen Grabkamnaei" der Königin Thyra Danaböt von Dänemark, ge- 
schnitzt und mit Farben (einer Art Oelnnalerei, roth, gelb und schwarz) bemalt, 
und andere zum Theil noch heidnische Bruchstücke, die im kopenhagener 
Museum aufbewahrt werden. 
3 Weinhold, 
422. 
NVorsaee Afbildninger 
110.
        

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