Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1676270
'l'ekt0nik. 
'l'echnisch-Hist0risc 
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Die vier Hoelisitzsäulen sind länger als die anderen, ragen 
über das Dach hinaus und sind oben mit einem geschnitzten Thors- 
kopfe geziert. Zwischen dieselben ist in der obersten Dachhöhe 
ein Rahmen gespannt (brünäs), der Lichtötfnung und zugleich 
Rauehloeh bildet und mit einer Schieblade verschlossen wer- 
den kann. Auf diesen Rahmen (die arca des römischen Cavae- 
dium) satteln sich die Sparren des Daches auf, das somit nicht 
spitz zuläuft, sondern eben abgestumpft ist. Die Halle nimmt 
somit die ganze Höhe des Hauses mit dem Dachraume ein und 
hat keine Seitenfenster. 1 
Am Ende des Saales zieht sieh quer über die ganze Haus- 
breite ein erhöhtes Getäfel, Querbank genannt, das den 
Weibersitz bildet. (Der Müchos des Homer.) Diese breite Bühne 
ist mit Gitterwerk abgeschlossen und dahinter betreiben die Weiber 
ihre Arbeiten. Doch übersehen sie zugleich den Männersaal und 
nehmen sie Theil an der Unterhaltung. 
Die Seitenschiffe der Halle sind gewöhnlich von Versehlägen 
eingenommen, zum Schlafen; zuweilen fehlen sie und sind dafür 
Sitze (handradur) angebracht, zur vertrauteren Unterhaltung. Der 
Raum zwischen der Weibertribüne und den letzten Pfeilern bildet 
eine Art von Querschiff mit Abhäusern (afhüs, klofar), die über 
die Hauptwände der Halle heraustreten und Vorrathskammern 
bilden. 
Vor der Halle, der Frauentribüne gegenüber, liegt der Golf, 
die Hansflur, mit dem niedrigen steinernen Herde (Skorstein). 
Der Golf ist gegen die Halle offen und etwas höher gelegen, so 
dass man in den Saal hinabsteigt. 
Zu dem Golf führen die beiden Eingänge von aussen, die auf 
den beiden Langseiten einander gegenüber liegen. Vor jeder Thür 
liegt noch ein Vorhaus, das wieder mit einer Thür (der Aussen- 
thür) abgeschlossen ist. Ausserdem gibt es noch Nebenthüren. 
Die Vorhäuser sind gross genug, um als Aufbewahrungsräume 
für Feuerung und Getränke dienen zu können. 
So gestaltet sich der Grundplan des Hauptgebäudes;  ein 
vielgegliederter aus an einander geschobenen Einhei- 
1 Nßüh haute ülldet sich in einigen Bauernhäusern des Nordens eine älm- 
lißhß Einrichtung? Einzeln ward aber schon in ziemlich alter Zeit eine Balken- 
deßke ßingemgeü und der Dachraum abgetrennt, in Folge dessen auch das 
Haus Seitenfenster erhielt.
        

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