Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1676257
Tektonik. 
'l'echnisclx-Ilistorisches. 
289 
angehörige Bauweise, mit aus der Holzstruktur entlehnten Kunst- 
formen. Die königliche Wohnung war eine offene Maierei, um- 
geben mit Portiken aus sorgfältig geglättetem, fein gesehnitztem 
Holzwerke, in einem originellen und keineswegs uneleganten 
Stile ausgeführt u. s. w. 1 
Obschon nun die klassische Kunst selbst noch in der Zeit 
ihres äussersten Verfalls Geltung behielt und sich ihren Haupt- 
momenten nach bei den für Luxus und Wohlleben empfänglichen 
Barbaren Eingang verschaffte, so wurden dennoch diese Momente 
theils unter dem Einflusse der anders gestalteten socialen Formen 
des Nordens, theils unter dem spezielleren des nordischen Hand- 
werks, das zum Theil seine Traditionen beibehielt, gänzlich um- 
gewandelt. 
Dieses hat ebensosehr für die profane wie für die religiöse 
Architektur des frühen nordischen Mittelalters seine Gültigkeit; 
unter den Einflüssen, aus welchen diese hervorging, sind die alt- 
nordischen Bautraditionen, als engverknüpft mit altnordischer 
Lebensweise, durchaus nicht bedeutungslos.- 
Wenn es feststeht, dass die meisten frühesten christlichen Kir- 
chen, welche in den barbarischen und barbarisirten transalpinischen 
Landen gleich nach der Heidenbekehrung erbaut wurden, Holz- 
konstruktionen waren, dass sie von nordländischen Bekehrern, 
meistens Schotten und Iren, herrührten, die ihre Bautraditionen 
mitbrachten, so bleibt kein Zweifel, dass diesen Gebäuden ein 
gewisser Typus anhaften musste, der sich neben den immerhin 
überwiegenden Einflüssen der allgemeinen kirchlichen Tradition 
geltend machte. Eben so wenig lässt sich bezweifeln, dass dieser 
Typus zum Theile auf die Steinkirchen übergehen musste, die 
einige Jahrhunderte später an die Stelle der hölzernen Vorbilder 
traten. 
Wir wollen versuchen, diese Einflüsse etwas näher zu bezeich- 
nen, müssen aber vorher den sparsamen Nachrichten über die 
altnordische Bauweise, wie sie in den Jahrhunderten zunächst 
vor und während der Einführung des Ghristenthums bestand, sowie 
den Ueberresten früher Holzarchitektur des Nordens unsere Auf- 
merksamkeit zuwenden. 
Vergl. Augustin 
Francais T. 
Histoire des 
Anfang. 
Sem per, Stil II.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.