Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1676244
288 
A ehtes 
Hauptstück. 
zipe nach gleicht es dem profanen Gerätho, indem es so gut wie 
dieses aus graden reohtwinklichten Ralnnenstüclßren und einge- 
lsetzten Füllungen besteht. In dieser Weise bilden die bischöf- 
[liehen Stühle, der Kranz von Chorstühlen mit ihren geschnitzten 
Holzbaldachinen, Betstühle, Lesepulte, Kanzeln, Sakramentshäuser, 
vor allem die erst mit dem 15. Jahrhunderte eingeführten stehen- 
den Altar-blätter (retables), sowie die Orgeln, vollständige Monu- 
mente, ausgeführt nach den Prinzipien und mit allem konstruk- 
tiven Apparatus des Spitzbogenstils, der freilich in seiner späteren 
Durchbildung dafür seinerseits sehr vieles in sich aufgenommen 
hat, was mehr der Tischlerei und dem Möbel als der Stein- 
arehitektur angehört, Wodurch der Widerspruch in gewissem Grade 
gehoben wird. Die scharfe Trennung zwischen mobiler und monu- 
mentaler Struktur, woran die alte Kunst so bedeutungsvoll fest- 
hielt, hat also jetzt völlig ihre Geltung verloren. Das Monu- 
ment ist dem Prinzip nach Möbel geworden und das 
Möbel der Form nach Monument. 
147 . 
des 
Tektonik 
Mittelalters. 
Holzarchitektur. 
Die Geschicklichkeit der barbarischen Völkerschaften Europals 
in der Holzkonstruktion ward schon von den Alten gepriesen. 
Cäsar beschreibt und rühmt die Konstruktion der halb aus 
Balken halb aus Quadern aufgeführten Wälle der Gallier. 1 
Vitruv bezeichnet die Gallier, Spanier und Lusitanier als ge- 
schickt im Fachwerk, die Kolehier als erfahren im Blockverband. 
Tacitus deutet auf eine reich verzierte (polychroine) Holzarchi- 
tektur der Deutschen hin. Die Eroberungen der deutschen 
Stämme auf den Gebieten des römischen Reichs sind begleitet mit 
einer Revolution in den geselligen Formen und denf Bauwesen 
der betreffenden Provinzen, die nur unter der Voraussetzung er- 
klärlich wird, dass bereits feststehende politische und bauliche 
Prinzipien der alternden römischen Civilisation mit bewusstvoller 
Thätigkeit entgegenivirkten. 
Gregorius von Tours, der Geschiehtsehreiber der merowingischen 
Könige, enthält viele Andeutungen über eine den Franken eigen 
1 B. G. VII. 23.
        

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