Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1676189
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Achtes 
Hauptstück. 
Waren Pfosten, Sturz (supercilium) und Bekrönung (hyper- 
thyron) der Thür durch angewandten Stoff und durch Kunst aus- 
gezeichnet, so bildeten sie dennoch nur die Rahmen der noch 
viel köstlicher ausgestatteten eigentlichen Thürliügel mit ihrer 
reich vergitterten Oberlichtöffnung. 
Die ältesten waren noch nicht im eigentlichen Tischlerstil, son- 
dern zusammengenageltes Brettgezirnlner, verstärkt durch Metall- 
beschlage und aufgesetzte Leisten, einfachste Motive, durchgeführt 
mit dekorativem Reichthum. 
Doch zeugen sehr alte in Stein skulptirte Darstellungen nach 
allen Regeln der Tischlerei gesternmter Thüren, mit ihren Rahmen- 
schenkeln (scapis), Querrahmenstücken (impagibus) und Füllungen 
(tympanis), von der frühen Ausbildung dieses Bauhandwerks in 
der ihm eigenthümlichsten Technik. 
Wie in allem andern, so blieben auch hierin die Italer der 
alten Tradition am längsten getreu. Camillus zierte sein Haus 
mit der von ihm unterschlagenen Beute an tyrrhenischen Thür- 
bekleidungen. Nachahmungen derselben in Tuffstein dienten zum 
Verschluss der Grabkammern (Bd. I. S. 435). Die Thore des 
kapitolinischen Jupiter waren noch zu Stilichds Zeit in alterthüm- 
licher Empaistik mit Goldblech beschlagen. 
Auch an den Wohnhäusern waren die hölzernen Thyrornata 
und Prothyra Mittelpunkte der Dekoration ihres sonst einfachen 
Aeussern; gleichsam als rebords, als Aufschläge des Innern. 1 
Deshalb geschieht der exikaustischen Malerei an ihnen mehr- 
fache Erwähnung. Auch wurden sie mit Tropäen und Familien- 
wahrzeichen geschmückt und an festlichen 'l'agen mit Kränzen 
und Festons behangen, die wieder Motive fester dekorativer Aus- 
stattung Wurden. 
Bildnerischer und plastischer Schmuck entsprach wieder den 
Uebergängen, die der Stil der Baukunst im Allgemeinen durch- 
machte. Zur Zeit des Polygnot und vorher War der Hauptschmuck 
der Thüren malerisch. Ein Epigramm, das dem Simonides zu- 
geschrieben wird, nennt Kimon von Kleonae und Dionysius von 
1 Cratinus apud Pall. onom. VII. 122. zuguduiöoeg m22 azqäövgo? ßoülu 
zozuiloz. Corpus T- 22- 97. gynoevazg 10311 131190311. Schön bemalte Portale zu 
Tanagra. Buttmann Questiones de Dicaearcho p. 25. Letronne lettres d'un 
antiq. etc. p. 345. Rochette. Peintures a. inädites. p. 125.
        

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