Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1676139
Tektonik. 
'l'echnisch-Historisches. 
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pagmenten verschalt waren, also nicht mehr stoiflich als Balken- 
köpfe erschienen, sondern ein fortlaufendes Gesimms, eine Hänge- 
platte, bildeten. 
Man hatdie diese Balkenköpfe betreffende Stelle des Vitru- 
vischen Textes so verstanden, als ob sie, unmittelbar über dem 
Epistyl, dieses letztere in überweiter Ausladung, nämlich um den 
Betrag eines Viertels der Säulenhöhe, überragt hätten, was also 
eine zweite Wichtige Kundgebung des stofflichen Bedungenseins 
der Form des Tempeldaches durch das Holz voraussetzen liesse, 
allein diese Auslegung der unklaren Worte des römischen Autors 
ist mindestens zweifelhaft; sie entspricht eben so wenig der an- 
tiken Gefühlsweise im Allgemeinen wie insbesondere den noch 
vorhandenen Beispielen römischer und süditalischer Tempel, die 
sonst dem hetruskischen Kanon getreu, statt eines frieslosen Ge- 
bitlkes umgekehrt sehr hohe Friese haben. 1 
Immerhin mag das weitausladende Gebälk für altitalische 
Wohnhäuser charakteristisch gewesen sein, gleich wie dasselbe 
auch in Griechenland beliebt War. Man begrub die Leichen der 
Kinder unter der Dachvorlage (subter subgrandas). In einer 
alten Inschrift aus Puteoli vom Jahre Rom's 647 wird ein solches 
Schutzdach über einem Thorwege genau beschrieben. 2 
Dass die Hetrusker die Deekenbalken dekorativ behandelten, 
beweisen auch die Nachahmungen derselben aus Stein oder durch 
einfache Malerei in den Hypogäen. 3 
Wegen dieser altitalischen Vorliebe für dekorative Holzstruktur 
bei Wohngebäuden hat man auf einen stammverwandtschaftlichen 
1 S. über die toskanischen Tempel: 
Marquez Ricerche delP ordine dorico. 
Stiegllitz, Arch. d. Baukunst II, 1. S. 14 ff. 
Hirli, Baukunst der Alten, S. 47. 70. 88. 
Geschichte der Baukunst, I. S. 251.  
1160 Kleine, Versuch der Wiederherstellung des toskanischen Tempels. 
O. Müller, die Hetrusker IV, 2. 2. S. 229. 
Thiersch, über d. Erechtheum, 2te Abh. 
Eine Erklärung des vitruvianischenTextes und Restauration des etr. Tempels 
in einem Aufsatze des Verf. im Bei-l. Kunstblatte, Jahrg. 1855. 
S. auch Farbendruck, Tab. XIII, dieses Werkes- 
2 Piranesi Magnificenze di Roma tb. 37- 
Marquez Ricerche t. 10. 
Doualdson on Dorways. 
 3 Mon. ined. passim: Gori M. E. III.  tab. 6 und 7. Micali t. 51 n. 1.
        

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