Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1676109
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Achtes 
Hauptstiir-k. 
verfallenden weströmischen Reichs, der sogenannte Thron des 
Dagobert, 1 aus Gilssmetall (mit später hinzugefiigtem Lehnge- 
stell), bezeichnet die letzte Erstarrung der antiken Geräthekunst. 
Stil 
Byzantinischer 
der 
Möbel. 
Der Rückfall zur asiatischen Barbarei erfüllt sich erst ganz 
an den üppigen Höfen des oströmischen Kaisers und seiner by- 
zantinischen Grossen, wie in den Kleidern, in dem Geräthe und 
sonst, so auch im Hausrath, der wieder ganz der schwerfälligen 
quadratischen goldbeblechten Empaistik der alten Assyrier zurück- 
verfällt, nur mit einer diesen noch unbekannten Verschwendung 
an eingesetzten edlen Steinen, Perlen, Emails etc. 
Später verschwindet das Gerüst der Lagerbetten, Throne 
und Sessel vollständig unter üppigen Polstern und goldgestickten 
Purpurdecken. Der orientalische Divan verlnüllt die letzten Spuren 
des antiken Hausraths. 
Die byzantinische Mode wird mit dem 7. oder 8. Jahrhundert 
auch im Westen herrsehcnd, nicht allein für heilige Gerathe und 
Utensilien der Kirche, sondern auch für das vornehme Haus- 
geräth. 2 
Das edle Metall und andere kostbare Bekleidungsstoäe werden 
wieder ganz wie in den ältesten vormonuinentalen Zeiten für 
Möbel und Geräthe auf die ursprünglichste Weise in Anwendung 
gebracht. Erzbeschlagene und inkrustirte starke hölzerne Unter- 
gerüste einfachster Konstruktion. Lange nachdem dieser Stil für 
den profanen Hausrath schon einem anderen Platz gemacht hat, 
bleibt er noch der hieratische Kirchcnstil. 3 Zu den berühmtesten 
1 Angeblich ein Werk des h. Eloisius aus dem 7. Jahrhundert n. Chr. 
Seine Form als hlaltstuhl ist ein treffendes Symbol des Lagerlebens der 
fränkischen Herrscher, die das nßugallisehe Reich nach ihrer unsteten Weise 
regierten. 
2 Unter Carls des grossen Hausgeräth werden silberne Tische erwähnt mit 
eingelegten Landchzirten, sarazenische Arbeit. Karolingisehe Throne und 
Hausgeräthe, dargestellt in Villemin. Der Thron, worauf Karls Leiche in sei- 
nem Grabe zu Aachen sitzend gefunden ward, ein quadratisches Holzgeriist 
mit Gold beschlagen und mit Edelsteinen besetzt. Von Murr, die kaiserlichen 
Ornamente zu Aachen. 
3 Auch in Marmor findet er wieder Nachahmung, gerade so wie dieses in 
der alten griechischen Kunst der Fall war. Beispiele die alten bischöflichen 
Stühle zu Bari (7. Jahrh.) zu Canossa, zu Palermo und sonst. Der Stuhl d. h. 
Ambrosius zu Mailand.
        

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