Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1676083
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Achtes 
Hauptstück. 
und anderen geweihten Hausrath bcnützte, ihn zum hieratischcn 
und olorigkeitlichen Möbelstile erhob. 
Dieser Geist spricht noch aus den freilich nicht mehr der 
vollendeten Kunst, sondern späterer Zeit angehörigen gross- 
griechischen Bronzegeräthen, die, hauptsächlich aus Pompeji und 
Herkulanum kommend, das Burbonische Museum zu Neapel 
schmücken. Man erkennt an ihnen schon mehr oder weniger 
die architektonische Komposition, aber die baukünstlerischen 
Motive sind für die leichtere Bestimmung auf die geistreichste 
Weise dem onu m entalisirt. Zweckangemessenheit ist ihr erstes 
formgebendcs Prinzip, dem sich der Steif, die Konstruktion und 
der Brauch fügen müssen. 
Alexandrinisch 
ischer Stil. 
Die asiatisirende Diadochenzeit mit ihrer Sucht nach Prunk 
und ausserordentlichen Wirkungen musste auch im Hausrathe 
grosse Geschmacksveränderilngen herbeiführen. Wir lesen in 
der That von den prachtvollsten purpurbedeckten Lagerbetten aus 
getriebenem Silber und Goldc, oder ausgelegt mit den kostbarsten 
lnkrustirungsstoffen, von Thronen und Baldachinen, von goldenen 
Lauben, statt der Baldachine, nach assyrischen und persischen 
Vorbildern. (S. Holzschnitt S. 273.) 
Doch blieb das hellenische Prinzip noch einmal Meister über 
das barbarische. 
Vielleicht bewirkten -die agyptisirenden Tendenzen der 
ptolemäischen Kunst eine wohlthätige Reaktion gegen orientali- 
schen Formenschwulst und Luxus, zu Gunsten des leichten mehr 
der Stabkonstruktion sich hinneigenden Hausraths; Wenigstens 
sind die oben schon erwähnten grossgriechischen Gegenstände 
des Hausraths zum Theil in dem zierlichsten und leichtesten Stile 
ausgeführt. Aehnlich erscheinen sie in Wandgemälden und auf 
Vasenbildern.  Dieser Zeit gehören auch jene merkwürdigen 
Ueberreste von Tischlerwerken aus Pantikapea an; sie athmen 
noch durchaus hellenischen Geist, aber manches, z. B. die Ein- 
theilung der Flächen in übereinandergereihte Figurenfriese ist 
asiatisirende Rückkehr zu uriiltester Kunsttradition. 
Die Römer, schon seit den früheren Jahrhunderten der Repu- 
blik unter dem Einflüsse griechischer Kultur, die übrigens hier 
nur die eigenen traditionellen Grundlagen wiederfand, sind bis
        

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