Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1676015
140. 
Die 
Hohlkonstvuktion 
und 
Gitterkonstruktion 
(Holz 
und 
Met: 
YVir haben in dem ersten Bande das Bestehen einer uralten 
Ueberlieferung des Bekleidens sowohl der raumumschliessenden 
wie der eigentlich struktiven Elemente der Baukunst bei allen 
alten Völkern indogermanischer Ahkunft nachzuweisen versucht 
und gezeigt wie eine Art von Röhrentektonik, die diesen 
Üeberlieferungen entsprach und sich nach ihnen weiter entwickelte, 
der monumentalen Steinarchitektur des Alterthums den Weg bahnte. 
Eine Röhren- oder vielmehr Iltihlkörpertektonil;, wie sie im 
Hausrathc sowie in der Baukunst in frühester Zeit herrschend 
war, oder doch neben der eigentlichen Stabtektonik Bestand he- 
hielt, unterscheidet sich in dem für unsere ästhetisch-stilistischen 
Betrachtungen sehr wichtigen Punkte von der letzteren, dass jene 
verrnöge der vollkommenen Starrheit der Elemente, die sie sich 
schafft, und gleichzeitig vermöge der Dicke, die, ohne Stoff- 
verschwendung und im Einklang mit den Grundsätzen der Statik, 
einer vertikalen hohlen Stütze aus Metall zukommt, nicht mehr 
jener diagonalen Verbindungsstücke und Verstärkungen benöthigt 
ist, sich ihrer gänzlich entäusscrn darf und muss, ohne welche 
eine Vollkonstruktion (nach ihren Prinzipien konsequent durch- 
geführt) gar nicht bestehen kann, weder faktisch noch in ästhe- 
tisch-forlnalenl QSinne, nämlich für das Auge. Das Prinzip der 
Hohlkonstruktion wurde in neuester Zeit im Brücken- und selbst 
im Civilbau 1 wiedenaufgenommen. Obschon dieses bis jetzt 
nur in rein technischem Sinne und Geiste geschehen ist, lassen 
sich dennoch hieran vielleicht tiir die Zukunft der Kunst einige 
Hoffnungen knüpfen; unsere Art zu konstruiren wird wieder monu- 
1 In England werden die massiven Etagenmziuem der im Parterre voll- 
ständig durchbrochenen Wohnhäuser nicht mehr anders als auf tubulären aus 
Eisenbleßh konstruirten Architraven aufgeführt. Das Tubuläßystem, sowie 
das Gegitter. Würden auch zu Werken der reinen Konstruktion und zu gross- 
artigen Wasserbauten schon im Alterthum benützt, wie ans der bereits citir- 
ten Stelle des Arianus hervorgeht. Auch im Mittelalter war das Gittersystem 
üblich. Alte gothische Kirchen sind mitunter mit Dachstühlen im Gitter- 
systeme gedeckt.  
Semper, sm n. 34 
        

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