Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1675977
Tektonik. 
Tkchnisch-Historisches. 
261 
Man darf sich niemals durch ungewöhnliche Proportionen eines 
grossen Werks zu Dimensionen verleiten lassen, die wohl diesem, 
aber nicht der Natur des zu behandelnden Stoffs angemessen sind. 
Ebenso wenig darf man im Kleinen und Dünn en zu weit gehen, 
weil die Solidität auch hier bestimmte Grenzen vorschreibt. Dies 
gilt vom Ganzen und von den Details. Zu starke Hölzer sind 
nicht nur kostspielig sondern bekommen auch Risse, Werfen 
sich, trocknen zusammen und reissen die leichteren Theile mit 
sich fort. 1 Ausserdem widersprechen sie dem Charakter eines 
ächten Holzstiles. Hiemit ist zugleich die hölzerne Nachahmung 
solcher Verhältnisse, die nicht dem Holzstile, sondern dem Stein- 
stile angehören, abgeurtheilt. Doch wo sich der Architekt ge- 
zwungen sieht, in dieser Beziehung dem Herkommen oder ökono- 
mischen Rüeksiehten zu gehorchen, soll er wenigstens seinen 
falschen Steinsimms nach dem Grundsatze der Gleichvertheilung 
der Massen und in einer den obgedachten Eigenschaften und den 
üblichen Dimensionen des Holzes entsprechenden Weise kon- 
struiren. 
Die Unbequemlichkeiten und Nachtheile, welche aus der Nei- 
gung des Holzes hervorgehen sich zu werfen, einzutrocknen und 
wieder anzuquellen, vermindern sich und lassen sieh beinahe 
aufheben, wenn ein vielfältiges und gleiehmässiges Gegen- 
einanderwirken der Kräfte, die dabei thätig sind, bewerkstelligt 
wird, und zwar nach allen Richtungen hin, nicht allein innerhalb 
einer Ebene, sondern auch senkrecht auf dieselbe. Dies führte 
schon die Alten zu der häufigen Benutzung des Gittergeschränks, 
sowie zu einer sehr methodischen Ausbildung und Anwendung 
des Verfahrens: dünne Holztafeln so über einander zu leimen, 
dass ihre Jahrwüchse einander durchkreuzen, zu dem die Künste 
der eingelegten Arbeit, des Entarso und des Furnirens in engster 
Beziehung stehen. 
Plinius 2 widmet dieser Industrie und dem ausgearteten Luxus 
seiner Zeit in geleimten und furnirten Marketteriewerken ein be- 
sonderes Kapitel. Aus der Krimm haben wir in einigen dünnen 
Holzblättchen den faktischen Beweis von der Höhe des Ge- 
hab 
1 Hier gilt dieselbe Rücksicht die der Töpfer zu nehmen 
ungleiche Schwinden seiner Waare in dem Ofen zu verhüten. 
2 Plin. H. N. XVI. 43. 
um 
das
        

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