Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1675962
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Achtes 
Hauptstück. 
eingehenden Winkel, der durch den Vorsprung des Rahmens ge- 
bildet wird, mit profilirten Leisten beschlägt. 
Dieses ist die antike Praxis, aus der ein reiches System der 
Flächendekoration hervorging, welches die monumentale Kunst 
der Spätzeiten auch auf andere Stoffe übertrug. 1 
In der neueren Tischlerei wird das Füllwerk theils einge- 
steckt, so dass die Rahmenhölzer über beide Flächen der Fül- 
lung vorspringen, theils über-geschoben, so dass die Füllung 
an einer Seite vertieft ist, an der anderen über die Rahmenhölzer 
vorspringt. Letztere Konstruktion ist leichter wasserdicht herzu- 
stellen und bedarf nicht so starker Rahmenhölzer. Man benützt 
dann die vertiefte Füllung für die dekorative Seite. Statt der 
aufgesetzten Leisten oder Kehlstösse werden diese bei kleineren 
Rahmen meistens angestossen, d. h. sie werden aus den Rah- 
menhölzern herausgehobelt; was besonders bei äusseren der Wit- 
terung ausgesetzten Füllungen seine Berechtigung hat, aber das 
Rahmenholz gerade an den Stellen schwächt, Wo es dem YVerfen 
des Füllholzes am thätigsten entgegenwirken soll. 
Ein drittes Verfahren besteht in einer doppelten Anwendung 
des Prinzips der Umrahmung, wie es bereits sehr vollständig an 
dem antiken (S. 367, Bd. I) Thore der Kirche St. Cosimo e 
Damiano wahrgenommen wird: ein profilirter übergeschobener 
Rahmen bildet die Vermittlung zwischen dem eigentlichen äusseren 
Rahmen und der Füllung. So bleibt der Hauptrahxnen unge- 
schwächt und es lassen sich kräftigste Profilirungen ausführen, 
die nicht blos aufgesetzt, sondern mit der Konstruktion 
Eins sind. 
Bei diesen und allen anderen Holzkombinationen ist den natür- 
liehen und im Verkehre üblichen Dimensionen des rohen Mate- 
rials möglichste Rechnung zu tragen. 
1 Die Griechen, wie die Aegypter, kannten nur glatte oder vertiefte 
Füllungen. Ihre Bautischlerarbeit Wal" Sehr einfach, fast roh, die Fül- 
lungen waren nur eingezapft, die vertieften Ränder mit aufgenietheten Kehl- 
stössen umrahmt. So sind an dem öfter citirten Sarkophag aus Pantikapea 
alle Kehlstösse aufgesetzt; überhaupt bewährt sich das älteste Prinzip der 
Konstruktionsbekleidung an allen Theilen dieses Tischlerwerks aus wahrschein- 
lich alexandrinischer Zeit.  
Dagegen erkennt man an den beiden römischen im ersten Bande, S. 367 
bis 368 mitgetheilten Thoren aus Gussmetall schon die fortgeschrittene der 
unsrigen durchaus entsprechende Praxis der Tischlerei.
        

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