Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1675956
Tektonik. 
-Historisches. 
'l'echnisch- 
259 
organisches Leben durch den Gegensatz der struktiven (thätigexi) 
Theile des Rahmens und der neutralen Füllungen, deren Thätig- 
keiten (des Windschiefwerdens und Schwindens) keine dienenden 
sind und daher verneint werden. Die Grösse der Felder und das 
Verhalten der einzelnen Felder zum Ganzen richtet sich theils 
nach der Natur des Holzes, theils nach den Proportionen der zu 
bekleidenden Fläche. Jene, die Natur des Stoffes, macht gewöhn-ß 
lieh Maximalgrenzen zur Vorschrift, so dass also kleine Flächen 
in wenigere Felder zu theilen sind als grosse (bei gleichen Ver- 
hältnissen ihrer Höhe zur Breite). Obschon jedes Kind dieses 
einsieht, können doch ngrosse Männer" ihres Fachs von der Nach- 
ahmung kolossaler Vorbilder im verjüngten Massstabe nicht ablassen. 
Die eingerahmten Einheiten dürfen ihrer Grösse nach nicht 
zu sehr verschieden sein, damit ihr Arbeiten gleichmässig vor 
sich gehe. 
Während durch den wohlgefügten Rahmen, in Verbindung mit 
ähnlichen Einheiten, eine Gesammtliäche aus Holz mehr absolute 
Stärke gegen äussere Einwirkungen gewinnt, wird zugleich dem 
Werfen des Holzes entgegengewirkt. 1 
Auch die Nachtheile des Schwindens werden zum Theil 
aufgehoben, wenn man der in sich wohl verbundenen Füllung, 
indem sie mit ihren Rändern rings herum lose in die Nuthen 
des Rahmens eingelassen ist, innerhalb ihrer eigenen Ebene freien 
Spielraum lässt. 
Die Flächenkontinuität wird aber dennoch wenigstens äusser- 
lieh gestört, wenn die Füllung mit dem Rahmen gleiche Dicke 
hat. Daher hat die Vertiefung der Füllung oder besser die Ver- 
stärkung des Rahmens, die schon aus struktiven Gründen sich, 
empfiehlt, auch den Nutzen, das Schwinden der Täfelung zu ver- 
Sißßken; noch vollständiger wird dieses erreicht, wenn man den 
1 Obschon davor nicht völlig sichergestellt,  weil der Rällmßll Selbst in 
seinen Theilen dem Windschiefwerden ausgesetzt ist. Um den Zweck völlig zu 
erreichen, muss man die Tendenzen der stofflichen Elemente ihre l:'0r1n zu ver- 
ändern gegen einander abwägen. Siehe hierüber weiter unten über das Lei- 
men und das opus interseetile. 
Da nicht alle TiSChlei-konstruktionen hier detaillift werden können, ver- 
weise ich für dieselben die Laien in der Tischlerei und in der Baukonstruk- 
tion auf das nützliche Handbüchlein: der Bautischler (3ter Band der Schule 
der Baukunst von Fink. Leipzig bei Spanier.)
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.