Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1675908
254 
Achtes 
upfstück. 
H21 
Schwächung der Theile, durch knollige Vorsprünge, woran man 
hängen 1 bleibt oder sich blaue Stellen drückt, noch ideell durch 
falsche gedankenlose Wahl des Zierraths.  Letztere, die ten- 
denziösen Motive, oder sogenannten Argumente, für die Ruhe- 
punkte der Struktur, gleichfalls gewählt und gehandhabt ohne 
materiellen oder idealen Missbrauch, mit demjenigen Geiste der 
Mässigung der die Gesammterscheinting, vor allein die Bestim- 
mung und den Charakter des Gegenstands, stets vor Augen be- 
hält und Herr seiner Mittel bleibt. 
Ausser den Vorzügen sind ferner die Mängel des Stoffs fast 
eben so wichtige Momente der Kunstgestaltung. Zuerst seine 
geringe Dauer, die nöthigt ihn mit Bekleidungen zu sichern. 
Dergleichen sind: Anstrich (hlalerei), Brettbekleidung (Schin- 
deln), Schiefer, Metall, Terrakottagetäfel, Kalkputz u. a. 
Mit Ausnahme des zuerst genannten Mittels führen alle an- 
deren das eigentliche Holzstabgezimmer, Wovon hier die Rede ist, 
einer anderen später zu berücksichtigenden Richtung entgegen. 2 
1 Auch das Auge soll nirgendwo hängen bleiben, aber darf wo ruhen und 
will es. 
2 Zu allen Zeiten wnr der farbige Anstrich (Polychromie) von der Holz- 
architektur unzertrennlich, nur die neueste verkennt auch hierin die Hülfs- 
mittel, welche sich gleichsam als naturnothwendig zu künstlerischer Verwer- 
thung aufdrängen. Man streicht das Holz mit Holzfarbe an, so dass es unan- 
gestriehen, also unsoli d und nackt, den Witterungseinflüssen ausgesetzt. 
erscheint. Ein verkehrtes Prinzip; lieber soll man es mit durehsichtigemTheer 
(oder Lack) überziehen, wo dann der Glanz das Auge über die angewandte 
Schutzmittel nicht im Zweifel lässt und der Reiz des natürlichen Holztones 
erhalten, ja gesteigert wird. Als Grundton eines ornamexitalen Faybengystßlns 
ist die nzttiirliche llolzfarbe, so durch Glasur gesteigert und in den Bereich 
der Kunst gezogen, uniibertreiflich. Die Rothhiiute Amerikzfs sind Meister in 
der Kunst ihre Produkte aus Leder, Baumrinde und Holz, mit Beibehaltung 
des rothbraunen Naturtones dieser Stoffe, vielfarbig zu verzieren. Dabei be- 
nützen sie die ungemischten Farben: Weiss, Schwarz, Blau und Roth, mit 
Weglassung des Gelb, als in dem Gi-undtone enthalten. Doch verfolgten alle 
Völker der alten Welt bei ihren Holzwerhen ein entgegengesetztes System, in- 
dem sie auch die edelsten Holzarteu total unter andersfarbigen Ueberziigen ver- 
Sfeükten- S0 die Aegypter, deren gut erhaltene Holzkonstruktionen (Hausge- 
räthe, musikalische Instrumente, Särge , Sarkophage) fast durchgängig Iwch 
Spuren einer früheren totalen Uebermalung zeigen. So sind die merkwürdigen
        

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