Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1675895
Tekton 
Tßzchnisuh-Historisches. 
253 
Unerschöpfliche Hiilfsquellen findet die Holzarchitektur vier- 
tens in der Fähigkeit des Holzes sich in beliebig dünne Bretter 
und Latten schneiden zu lassen, die ihrem Wesen nach eine Art 
natürlicher textiler Stoff sind und in diesem Sinne auch in der 
Holzkonstruktion zu Bekleidungen verwandt werden. Das 
llekleiden der Holzkonstruktionen, prinzipiell und allgemein durch- 
geführt, leitet auf einen neuen der Stabkonstruktion entgegen- 
gesetzten Stil der Holzarcliitektur, indem es der monumentalen 
Architektur verarbeitet.  Band I. Seite 431 und weiter unten.) 
Das Mittel zwischen den soliden Ständern und Balken und 
den Bekleidungsbrettern bilden die Pfosten oder Bohlen, 
deren vorherrschende Anwendung in der Holzarchitektur gleich- 
falls einen besonderen Stil derselben kennzeichnet. (S. weiter 
unten normannische Holzarehitektur.) 
Übschon die Eigenschaften des Holzes als Bildnersto ff schon 
oben beiläufige Erwähnung landen, sind sie hier noch besonders 
hervorzuheben, als fünftes sehr wichtiges Moment bei der Ent- 
wicklung seines spezifischen Stiles. Seine ihm eigenthümlichsten 
Ornate sind Sehnitzw erke, nämlich Auss chnitte, Abs chnitte, 
Einkerbun gen, Durehbreehungen, Auskehlungen, Ver- 
zapfungen und dergl. 
Es ist nicht nothwendig unsere Holzkünstler auf den Reiehthum 
dieser dekorativen Hülfsmittel ihres Stoffes aufmerksam zu ma- 
chen, die sie nur zu stark in Anspruch nehmen, sondern viel- 
mehr bedarf es der ernstesten Warnung vor ihrem Missbrauehe. 
Doch sind aller Ernst und aller Spass nur stumpfe Waffen gegen 
den dreifach gepanzerten Ungeschmack unserer Möbelfabrikanten 
und sculpteurs en bois. 
Was da Regel ist, bedarf nur kurzer Andeutungen, da schon 
so oft auf sie hingewiesen worden ist: Tlrennung des Ornates 
von der tendenziösen Kunst. Jenen für die zwecklich und struk- 
ÜV thätlgen Theile und immer im Dienste beider Funktionen, 
{sie hervorhebend, nicht störend, weder materiell, etwa durch 
(iegcxiulexi Italiens, in Tyrol, in der Schweiz sind an das Dachgebälk 
gehängte niedrige Lauben mit hohen Brüstungen noch sehr gewöhnlich. In 
China und Indien in der Civilmcllitektul- wie im Schiffsbaxi desgleichen. 
Welchen lieichthum der Motive bietet das neu zu Ehren gekommene Gitter 
VhTk, angewandt auf dieser; und ähnliche Fälle, für die künstlerische Weiter- 
hilrlung der Hnlzzux-hitelxtur!
        

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