Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1675868
250 
Achtes 
Hauptsti 
zum Theil Namhaftes leistet, während unsere monumentale Kunst 
nie vorher in gleichem Masse dagewesene Gebundenheit und Rath- 
losigkeit verräth. Die Erklärung dieser Erscheinung liegt nahe, 
da die Art Baukunst, welche in der dekorativen Behandlung der 
Zimmerkonstruktionen besteht, die an den weiträumigen und leich- 
ten Bauwerken der Industrie und des Eisenbahnwesens sich heran- 
zubilden Gelegenheit hatte, im Prinzipe recht eigentlich unmonu- 
mental ist. 
Der Holzbau, d. h. der Stabverband, war niemals Vorläufer oder 
Vorbild einer monumentalen Kunst, deren wahrer Stoff der Stein 
bleibt, deren Grundsatz der umgekehrte des konstruktiven ist, 
nämlich so wenig materielle Konstruktion zu zeigen, so wenig an 
sie zu erinnern, wie möglichfsiehe oben). 
Wenn aber nun dennoch fast an allen ältesten und monumen- 
talsten Baustilen eine Reminiscenz oder ein Anklang an Holz- 
architektur wahrgenommen wird, wie an den Grabfagaden des alten 
Reichs Aegypten, wie an den inkrustirtenWVanden der chaldäi- 
sehen und assyrisehen Paläste, wie an den Tempelgrotten und 
Pagoden Indiens, selbst an den Ordnungen griechischer Kunst, 
stehen da nicht alle diese Wahrnehmungen im Widersprüche mit 
der obigen Behauptung? Keineswegs. Denn alle jene Anklänge 
sind nur sinnbildlicher Natur, theils mit Bezug auf Priester- 
legenden über das Alter der Landeskultur, theils als symbolische 
der Holzkonstruktion entlehnte Ausdrücke für gewisse formal- 
ästhetische allgemeinere Ideen. (Vergl.  136, über die Proeeres, 
über Geschränke und deren Vorsprünge als Träger der Hänge- 
platten und sonst.) 
Der Holzzimmerei eigentliches Gebiet ist der Hausrath. Wo 
sie in der Baukunst in ihrem eigenen Wesen auftritt, dort schafft 
sie Uebergänge zwischen dem beweglichen Hausgeräth und 
dem monumentalen Gebäude. 
Die bekannten Eigenschaften des Holzes, das sich zur Be- 
nützung dem Menschen gleichsam aufdrängt, nöthigen uns in ihm 
den „Urstoff" der Stabkonstruktion zu erkennen, wie der Thon 
uns Ürstoff der Keramik war. 
Doch ist das Holz in Beziehung auf diese seine technische Be- 
stimmung bei weitemspezifischer als die plastische Masse, der 
Thon, für die seinige; seine Vorzüge wie seine Mängel zwingen 
bei seiner Anwendung zu entschiedenster Stoffkun dgebu n g.
        

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