Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1675813
'l'ekt0nik. 
Allgemein-Formelles. 
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muss, wenn erßohxie Fussist, wieder in sich kräftiggilggbgilgggw 
werden, als für den entgegengesetzten Fall, wo er durch den Fuss 
(wenn auch nur scheinbar für das Auge), einen Zuwachs an Sta- 
bilität erhält u. s. w. 1 
S0 ist drittens die Säule in der einsamen Stele gleichsam vor- 
gebildet und enthalten, aber sie ist mit anderen gleichgeformten 
Stützen durch das gemeinsame Epistyl und durch den festen B0- 
den, worauf sie fusst, zu einem Systeme verbunden und soll in 
diesem Zusammenhange als abhängig von einem Ganzen höheren 
Grades und Theil desselben uns erst später beschäftigen. 
Wir schliessen diesen Paragraphen, dessen Inhalt einestheils 
durch frühere Stellen des Buchs, worauf öfter hingewiesen wer- 
den konnte, anderntheils durch noch Folgendes sich ergänzt, mit 
einer sehr wichtigen allgemeinen Bemerkung über das tektonische 
Prinzip des hellenischen Baustils. 
Zwar haben die Hellenen dasselbe nicht zuerst ins Leben ge- 
rufen, denn es beherrscht die gesammte antike Kunst bis auf die 
Römer, aber es zuerst als solches erkannt und mit Bewusstsein 
gepflegt, indem sie alles ihm nicht Entsprechende aus ihrer Kunst 
sorgfaltigst aussehlossen. 
Dieses Prinzip fusst auf einem allgemeinen Gesetze in der 
Welt der Erscheinungen, wonach formale Kombinationen, welcher 
Art sie sein mögen, wenn nichts an ihnen auch nur den 
G ed anken  materielle Existenzfähigkeit un d Dauer, 
also noch viel weniger den Zweifel an beides hervor- 
ruft, das Auge wenigstens in diesem Sinne am meisten beruhigt 
lassen. 
Keiner denkt bei einem Autreclitstehenden, Senkrechteli, an 
dessenßwgciund, bei richtigem Verhältniss der Höhe zu seiner 
Basis, an dessen Stabilität. Eben so Wenig werden Wir bei einem 
horizontal Lievendenhan dessen Gewicht, als thätige Kraft, erin- 
nert; es ist für uns vielmehr zum sprechenden Sinnbild der ab; 
 geworden. 
Anders verhält es sich, wenn ich z. B. zwei steinerne Pfosten 
gegen einander stütze; hier treten. Sofort die schweren Massen als 
thätige Kräfte zur Erscheinung. Ihr Konflikt erweckt den Ge- 
1 Diese Stabilität. die das Auge will, ist unabhängig von stolflichen Be- 
dingungen. Diess gilt wenigstens von der vereinzelten Stele. Wir werden 
später auf diesen wichtigen Gegenstand zurückkommen.
        

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