Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1675759
Tektonik. 
All gemein-Form elles. 
239 
Stütze hinzu, die als Stele oder als Säule 1 den Boden des Kes- 
sels unmittelbar aufnimmt und sich der Idee nach unabhängig zu 
dem übrigen Gestütze verhält. Wir werden sehen, zu welcher 
Bedeutung sich diese anfänglich nur beigefügte Form entwickelt. 
Wie die Kunst sich schrittweise dieses zusammengesetzte Motiv 
als Ganzes und in seinen Theilen zu Eigen machte, wie bellenische 
Formenpoesie ihm den geistvollsten Ausdruck lieh, hiervon zeu- 
gen die vielen Beispiele von Dreifüssen, aus Thon, Metall und 
Stein, oder nur gemalt auf Vasen und an Wänden, oder auf Re- 
liefs, die sich erhielten, deren Analyse auf die bereits gegebenen 
Grundsätze zurückführt. Auch ist schon in dem Bande I (p. 366 
bis 392) Spezielleres darüber enthalten, namentlich über die theils 
struktive, theils zweckliehc, theils mystische Entstehung der im 
Möbelwesen der Alten üblichen Kunstsymbole. Endlich werden 
wir in dem Folgenden schon von selbst wieder darauf zurück- 
geführt; wir dürfen daher nun die Bestandtheile des Dreifusses, der 
als das vollkommenste und am reichsten gegliederte Gestell, als 
Inbegriff des Möbels gelten darf, in ihrer Gegensätzliehkeit zu 
der monumentalen Stütze in Betracht ziehen, um nachzuweisen, 
wie das Verschrumpfen und Aufgehen dieser Theile in der 
einzigen zuletzt übrig bleibenden mittleren Stele, einer Stufen- 
leiter von" Ausdrücken entspricht, die sich zwischen den beiden 
Extremen des absolut Mobilen und des in dem Boden haftenden 
Irnmobilen (Monunientalen) bewegt. 2 
Die Querstabe (Rhabdoi), welche die drei Füsse im Dreiecks- 
verband zusammenhalten, sind sprechende Ausdrücke eines leich- 
ten, daher der inneren Verstärkung bedürftigen Systemßs. Aüßll 
das boekgerüstäihnliche Gegeneinanderstützen der drei Füsse, die 
gespreizt nach unten auseinander gehen, um der Last eine mög- 
lichst breite statische Basis zu geben, ist Ausdruck eines stütz- 
bedürftigen in seinen Theilen unselbständigen Gefüges. Die Ab- 
wesenheit der ersteren und die senkrechte Stellung der drei Füsse 
sind daher auch Symbole, nämlich negative eines massiven, in 
der Selbständigkeit der Theile, auch ohne Querstäbe und gegen- 
seitiges Anlehnen, gesicherten Stützwerks. 
Dann verkümmern auch diese drei Fiisse selb st, bleiben sie mit 
1 Omphalos? 
2 Die meisten nzarmornen Dreifiisse gehören zu den im Texte bezeichneten 
Uebergangäformexl (Vde Band II. d. Figuren auf Seite 16, 94, 95 u. sonst)
        

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