Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1675700
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Siebentes 
Hauptstück. 
thätig, als Stützen und als Träger. Als Stützen dienen sie 
mit ihrer rückwirkenden Festigkeit; als Träger mehr in dein 
Sinne ihrer relativen Resistenz. 
Wir haben also erstens freie Ausläufer 
a) vertikaler Geschränke, 
b) horizontaler Geschränke. 
Zweitens dienende Ausläufer gleichfalls 
a) vertikaler Gesehränkc, 
b) horizontaler Geschränke. 1 
Diesen vier Kategorien, mit ihren Nuancen, die sehr mannich- 
fach sind, entsprechen eben so viele Motive der Formgebung. 
Bei curhythmischer Auffassung sind die freien Ausläufer 
des vertikalen Geschränks ringsum gleich in natürliche oder ur- 
teehnisehe (textile) Analogien einzukleiden (Vgl. Figg. auf S. XXV 
der Prolegomena S. 78, 196, 385), die den freien allseitigen 
Abschluss ausdrücken, ohne Rücksicht auf Oben und Unten. 
Die eurhythmische Auffassung des h orizo ntal en Geschränkes 
erfordert schon eine gewisse Rücksicht auf das Oben und Unten 
(für den Beschaucr), deren Innehalten aber die Gleichförmigkeit 
der Ausläufer nicht stört. 
Für sie eignen sich Symbole, gewählt nach den Vorbildern vege- 
tabilischer und animalischer Erscheinungen, die den Begriffen des 
Endigens und des freien Aufgerichtetseins zugleich entsprechen, 
als da sind Blattspitzen, Voluten, herabhangende sogenannte Tro- 
pfen (an den Stegen des dorischen Gebälkes), Thierköpfe, Mas- 
ken, menschliche und animalische Halbleiber und dergl. (Beispiele 
die oben erwähnten Greifsköpfe des argolischen Kraters im Hero- 
dot; ähnliche Köpfe an der etruskisehen Ampel auf Seite 5G; 
radialer Schmuck der reichsten Art an vielarmigen Lampen, 2 
1 Wir übergehen hier der Einfachheit Wegen die schrä gen Geschränke, die 
allerdings auch, besonders an den Decken- und inneren (sichtbaren) Dach- 
üächen vorkommen und dem ästhetischen Sinne oft schwer zu lösende Räthsel 
aufgeben (siehe über sie Seite 231 11m1 die Fälfbßndrücke XIX und XX). Ich 
glaube in Verbindung mit Anderem, was den griechischen Baustil (zharakteri- 
sirt, annehmen zu dürfen, dass wegen der ästhetischen Schwierigkeiten bei 
der Durchführung eines schrägen oder gebogenen Gezimmers die Griechen 
dasselbe wenigstens für die höchste Aufgabe der Baukunst, für den Tempel- 
ban, nicht beniitzten. 
2 I1 Lampadario di Cortona publicato da E. Braun ed illustrato da G. 
Abeken. Mon. ined. 1839. Annali T. XI. p. 41. Vergl. Fig. S. 35, Bd. II.
        

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