Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1675699
Tektonik. 
Allgemein-Formelles. 
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bedeutend mit Thysanoi, im Griechischen auch die Troddeln oder 
Quasten der Gewänder. So werden wir auch hier wieder auf 
textile Wurzelformen der Kunstsymbolik zurückgeführt (Vergl, 
Band I. S. 31 und Hi, 58 und 89 und die dort gegebenen Holz- 
schnitte). 
Eben so dienen diese Formen (die Proeeres) hinweisend und 
präludirend auf ein verstecktes oder nur_ der Idee nach vor- 
handenes tektonisehes System, als symbolische Andeutungen des- 
selben. 
Wir zeigten schon, wie die Vielfältigkeit des sich nur einmal im 
Fastigium (als Hegemon) äusserlich formell kundgebenden Dach- 
gefüges durch das genannte Mittel, nämlich durch den äusseren 
Schmuck der sogenannten viae oder Mutulen, oder durch den ver- 
wandten der Modillons, hinreichend, wenn auch ohne konse- 
quent-konstruktive Wahrheit, angedeutet wird. Sie sind Mittel, 
das künstlerische Interesse an dem äusseren Werke durch ver- 
mehrten Beziehungsreiehthum seiner Theile zu steigern, und ihn 
durch Anklänge an entsprechende ornarnentale Motive des Inneren 
mit letzterem zu verknüpfen, dieses für" die ästhetisch -sinnliche 
Auffassung vorzubereiten. Sicher wohlberechtigte Deutungen dieser 
Art, die der genannte schöne Schmuck der Simmsträger gestattet, 
Würden sich als nichtig erweisen, wenn sie (nach Böttieher) in der 
That nur den durch die Steinkonstruktion bedungenen Aushöh- 
lungen und damit bezweekten Erleichterungen des weitv0rragen- 
den Theiles der Deckplatte (damit deren aufliegendes Hintertheil 
das Uebergewieht behalte) ihren technischen Ursprung und diesem 
entsprechend ihre dekorative Form verdankten. "Diese Auffassung 
ist um, nichts idealer als jene, wonaehdie cylindrisehe Steinsäule 
wegen des bequemen Herabrollens von den Steinbrüchen erfun- 
den sein soll.   
Wenn wir den technischen Ursprung dieser Formen aus dem 
Steinstil auch zugeben wollten, so würde der Bildhauer zu den 
Kunstformeniseiner stehen gelassenen Dienste doch immer auf 
einem dem Vorhergesehickten und dem noch Folgenden ungefähr 
entsprechenden an die absolut-formalen Bedingungen jedes tek- 
tonischen Gebildes anknüpfenden Ideengange geleitet worden sein. 
Die bezeichneten Elemente der Stabkonstruktion sind aller- 
dings, aussßrdem dass sie vorspringen und absehliessen, 
noch des Oefteren, wenn auch nicht immer, in dynamischem Sinne 
Sempcr, Stil II. 30
        

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