Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1675678
Tektonik. 
Allgemein-Formelläs. 
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dem Analogon des Spitzbogensystems, mit Anwendung der aus 
diesem hervorgegangenen dekorativen Formen. Wundervoll wusste 
auch dieses reiche Thema die geistvolle Zeit der Renaissance zu 
bemeistern. 
Für die Gegenwart, die dem iGitterwerke, freilich erst nur in 
rein technisch-mechanischer Weise, eine viel grössere Bedeutung 
beilegt als jemals früher der Fall war, indem sie dasselbe gradezu 
zum Grundprinzipe der Konstruktion erhebt, gewinnen Stilstudien 
auf diesem Gebiete die grösste Wichtigkeit (S. unter Metalle- 
technik: das Schmieden). 
Von dem Gesehränk oder Gitter gelten die bereits bekannten 
Gesetze der aufrechten Entwicklung, je nachdem es als vertikale 
Wand oder als horizontale Fläche in Anwendung kommt (Vergl. 
Band 1,8 und folgende bis incl.  17. Desgleichen oben 
s. 133 und g. 134). 
Das am reichsten entwickelte horizontale dekorative Gitterwerk 
und ein Muster stilgereehter Durchführung für alle Jahrhunderte 
ist die (freischwebende) Stroterendeeke der griechischen Tem- 
pelhallen. 1 
Für Fälle, wenn Gitter oder Geschränke schräg ansteigen oder 
gebogen, mithin weder als horizontale noch als vertikale Flächen 
zu betrachten sind, geräth der architektonische Sinn ungefähr in 
dieselbe Verlegenheit wie die Natur mit ihren vegetabilischen Ge- 
bilden, bei denen die Vertikalität mit der Eurhythmie in Konflikt 
geräth (siehe Prolegomena S. XXXII). Er sucht Vermittlungs- 
wege, um dem Gesetze allseitig zu genügen. Die Lakunariendecke 
der Pantheonskuppel zu Rom bietet ein merkwürdiges und sehr 
belehrendes Beispiel, wie sich der Stilsinn in solchen Fällen zu 
helfen weiss. 
Oft wird dem Gesehränk eine besondere Umrahmung zu Theil, 
deren stilistische Behandlung wir bereits kennen. In diesem Falle 
bildet jenes die Füllung des Rahmens, aber eine aktive Fül- 
lung, deren Aktivismus im struktursymbolisehen Sinne sich aus- 
drücken soll. 
Die struktive Thätigkeit des Gesehränks wirkt sogar noch 
Über die Grenzen des Rahmens hinaus und nach aussen, wenn 
die Spitzen oder Ausläufer der stabförmigen Elemente des Restes 
die GPCIIZCU des Rahmens überkragen. Diese Ausläufer der 
1 Siehe die Farbendrüeke Taf. I und VI des ersten Bandes.
        

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