Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1675637
Tektonik. 
Allgemein-Formelles. 
227 
der Rahmenstücke findet nicht mehr statt, wohl aber eine in- 
direkte, hervorgerufen durch eigene Schwere und Belastung. 
Somit verlangt das Auge bei angemessener Unterstützung, dieser 
entsprechend, eine der Last gewachsene Höhe der wagrecht 
freischwebenden Rahmensehenkel, ein Vorherrschen dieser Dimen- 
sion über die andere horizontale der Dicke; sodann eine Ueberein- 
Stimmung der formalen Ausstattung mit den beiden genannten 
Thätigkeiten (der zweeklichen und der struktiven). 
Die Theile horizontaler Rahmen haben natürlich, wie alles, 
ihre proportionale Entwicklung nach oben, also nicht mehr parallel 
mit der eingerahmten Ebene, sondern senkrecht auf ihr. 
Uns begegnet hier wieder das alte bekannte Schema des An- 
tepagments, mit seinen mehrfachen Zonen und seinem bekrönen- 
den Rande, als traditionelle Bekleidung der äusseren und in- 
neren vertikalen Wände des Rahmens; dasselbe entspricht in der 
That in seiner eurhythmischen Ordnung der zuerst genannten 
Bedingung; es ist aber auch durch die Wiederholung der Fascien 
ein Ausdruck zäher relativer Festigkeit, der noch durch ornamen- 
tale Symbolik auf ihnen zu verstärken ist;'es ist drittens in dem 
gewollten Sinne bezeichnend für das Oben und Unten des Rah- 
mens. Die dritte sichtbare untere Fläche des horizontal schweben- 
den Rahmens wird durch Motive dekorirt, die den Begriffen des 
freischwebendenund z äher Resistenz gegen vertikale 
Belastung entsprechen und diese versinnliehen. Daher wählt 
man z. B. aufgehängte Festons, Gurte, starkes Geflecht und 
sonstige textile Motive. 
Diese reiche tektonische Kombination bekommt erst volle Be- 
deutung in ihrer Verbindung mit dem Stützwerk, das sie in 
horizontaler Lage schwebend erhält. 
Nicht selten wird der liegende Rahmen wie der stehende auf- 
gefasst, mit der Annahme eines konventionellen Oben und Unten. 
So z. B. wurden die Füllungsrahmen der Plafonds schon von den 
alexandrinischen Griechen und von Römern wie Nischen und 
Tabernakel behandelt, auf deren Verdachungen sich Figuren grup- 
pirten oder sich Arabesken entfalteten;  ganz in ähnlicher üp- 
piger Weise Wie sie wieder die Renaissance aufnahm. (Vergl. 
hierüber Band I. S. 70,)
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.