Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1675602
224 
Siebentes 
Hauptstück. 
erscheint von grosser Höhe herab gedrückt, der Kreis oval abge- 
plattet u. s. w., daher sei das Quadrat etwas überhöht, statt des 
Kreises wähle man ein aufrechtes Oval. 1 
Das virtuelle (scheinbare) Vcrhältniss der Breite zur Höhe 
wie 1 zu 2 ist für Fenster- und Thürfüllungen das herkömmlich 
normale. Die Breite der Umrahmung ist nach antiker Ueber- 
lieferung mindestens dem 7ten, höchstens dem Gten Theile der 
Breite der Füllung gleich. Doch erleiden diese Verhältnisse, wie 
sich von selbst versteht, nach Umständen die mannichfachsten 
Modifikationen. 
Verhalten 
der Theile 
einander, 
zum 
Ganzen, 
zur Umgebung. 
Auch hier gilt, mutatis mutandis, was unter gleicher Rubrik 
weiter oben über dreieckige Rahmen gesagt worden ist. Die in 
Rede stehenden tektonischen Formen sind in ihren Charakteren 
verschieden, je nachdem eins der drei leitenden Motive, die bei 
ihrer künstlerischen Behandlung in Betracht kommen, als Haupt- 
moment der Formgebung benützt wird. Wir meinen erstens die 
zweckliche Thätigkeit des Pegma als Rahmen und dessen Be- 
ziehung zum Eingerahmten, zweitens dessen struktive Thätigläeit, 
drittens das aufrechte Verhalten desselben mit Bezug auf den 
Beschauer. Der, einfach eurhythmische Rahmen wird durch das 
Antepagment, das sich gleiehmässig um die Füllung herum- 
zieht, vollständig dargestellt. Nach frühester Tradition, die, wie 
ich gezeigt habe, mit dem alten Prinzipe des Inkrustirens der 
konstruktiven Theile in engster Beziehung steht, ist dieses Ante- 
pagment aus dem Saume (crepido), und mehreren Zonen (fasciae, 
corsae), die in parallelen Streifen den Rahmen umkreisen, gebildet. 
Alle Symbolik, welche sich auf diesem Antepagmente entwickelt, 
steht in umkreisendcr oder radialer Beziehung zum Eingcrahmten, 
steht nur zu diesem aufrecht 2 und gestattet konstruktive Motive 
' Ans gleichen optischen Riicksichten pflegten die Alten ihre Fenster- 
und Thürrahmen leicht nach oben zu verjüngen. 
2 Z. B. müssen Herzblätter, Eierstäbe oder ähnliche Ornamente, die ein 
Oben und Unten haben, mit dem Oben immer auswärts, mit dem Unten im- 
mer einwärts gerichtet sein. Doch ist ein den 'l'rod(leln der textilen Decken 
vergleichbarer Ausläufer und Uebergang (Auflösung, Lysis) in das Aussen- 
dasein bei derartigen Rahmenbildungen gestattet, ja. selbst oft (in ästhetischem 
Sinne) nothwendig. Spangen, Heftel und Eckverstärkungen (also eigentlich
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.